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20er Jahre, Frau mit Hut und Pelz

Die goldenen 20er: Frauen, Lebenswege & mehr

Kaum ein Zeitalter erweckt eine so große Sehnsucht wie die goldenen 20er Jahre: Durchtanzte Nächte in funkelnder Garderobe zu mitreißender Musik wie Charleston, Jazz und Swing – in eleganten Etablissements mit inspirierenden Leuten, die allesamt Intellekt, Witz und Kreativität ausstrahlen. So zumindest stellt man sich dank Literatur und Film das kulturelle Leben zu dieser Zeit vor. Auch die deutsche Schriftstellerin und Journalistin Carmen Korn hat sich in ihrem Roman „Töchter einer neuen Zeit“ mit diesen faszinierenden und wegweisenden Jahren beschäftigt. Grund genug, sich einmal näher dem goldenen Zeitalter zu widmen – und gleichzeitig die beeindruckendsten 20er-Jahre-Frauen vorzustellen.

 

Eine Ode an die Blütezeit von Kunst und Kultur – tauchen Sie ein in das aufregende Leben der 20er Jahre:

 

Die Ära der goldenen 20er

Wenn man an die 20er Jahre in Deutschland denkt, könnte man meinen, dass wir vom gesamten Jahrzehnt sprechen. Dabei sind allerdings vielmehr die Jahre 1924 - 1929 gemeint. Zu dieser Zeit kam es zu einem Wirtschaftsaufschwung, der sich auf die ganze Welt ausbreitete.  Auf Englisch wird diese Ära auch als die „Roaring Twenties“ bezeichnet – wird sie doch weltweit als besonders pulsierende und ausschweifende Zeit wahrgenommen, die sich so nie wieder wiederholt hat. Es ist die Zeit der Weimarer Republik, die oftmals als „Zeit des Umbruchs“ bezeichnet wird. Der Erste Weltkrieg war vorbei. Eine gewisse Freiheit lag in der Luft. Die Menschen sehnten sich nach einer neuen Leichtigkeit. Kunst, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft waren allesamt auf ihrem Höhepunkt – und noch Jahrzehnte später schwärmt man davon. Tatsächlich endeten die goldenen 20er Jahre schließlich 1929 mit der Weltwirtschaftskrise. Der „Great Depression“, die schlimmste, die es jemals gegeben hatte.

 

Kunst & Musik

2 Jazz Musiker Im Zuge der neuen Freiheit der 20er Jahre entstanden auch in der Kunst viele neue Bewegungen. So entstand die moderne Kunstrichtung der „Neuen Sachlichkeit“, die die gesellschaftlichen Umwälzungen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zum Gegenstand hatte. Mehr und mehr Menschen suchten ihre Freiheit in den Großstädten und so zeigt auch die „Neue Sachlichkeit“ Ausbrüche aus gesellschaftlichen Zwängen. Zentrale Themen der Kunst in den goldenen 20er Jahre waren die Erstarkung der Frau und ihre Rechte. Aber auch die immer weiter werdende Kluft innerhalb der deutschen Gesellschaft, zwischen arm und reich. Berühmte Vertreter dieser Kunstrichtung waren Maler wie Otto Dix, Paul Klee und Max Beckmann. Die Stilmittel waren grafisch, beinahe schon abstrakt. Auch in der Musik entstanden neue künstlerische Richtungen: von Jazz über Swing bis hin zu Charleston. Zuerst war es noch verpönt, zu diesen Musikrichtungen zu tanzen. Doch in den 20er Jahren setzte sich die Musik aus Amerika durch – und machte die glorreiche Zeit der 20er Jahre einem der musikalischsten Jahrzehnte überhaupt. Der Name Josephine Baker ist untrennbar mit der Charleston-Welle in Deutschland verbunden. Und wird auch noch einmal später im Text ausführlich genannt. Fest steht: Es war das Jahrzehnt des Tanzes und gerade der Swing war etwas völlig Neues, dessen Rhythmus die Deutschen erst einmal lernen mussten. Aber nicht nur in der Kunst und der Musik entstand in diesem Jahrzehnt viel Neues: Auch das Kino, die sogenannten Lichtspielhäuser, traten zum ersten Mal in Erscheinung. Erste Filme konnten so einem größeren Publikum vorgestellt werden. Schwarz-weiß Filme wie „Metropolis“ von Fritz Lang aus dem Jahre 1927 oder auch „Das Kabinett des Dr. Caligari“ von Robert Wiene von 1920 sind mittlerweile wertvolle Meisterwerke. Tatsächlich war Deutschland zu dieser Zeit das Land in Europa, das die meisten Filme produzierte – und sie dank der neuen Technik auf einmal einem Massenpublikum vorführen konnte.

 

Die goldenen 20er Jahre – eine Zeit, in der alles neu war oder zumindest einen neuen Glanz bekam. Wie hat sich das auf die Kultur und Gesellschaft dieser Zeit ausgewirkt? Auch das haben wir für Sie recherchiert:

 

Kultur & Gesellschaft

Kultur und Gesellschaft 1920Nicht nur, dass sich neue Kunst- und Musikrichtungen begründeten – gerade für die Kultur und Gesellschaft waren die goldenen 20er Jahre von ganz besonderer Bedeutung: Es gab mehr und mehr Frauen, Überlebende aus dem Ersten Weltkrieg, die allesamt auf den Arbeitsmarkt drängten. Und willkommen geheißen wurden. Kurze Zeit davor wurde zum ersten Mal in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt und Frauen durften öffentlich rauchen. Schritt für Schritt ging es in Richtung Gleichberechtigung neben den Männern. Und die Frauen wurden immer selbstbewusster und waren sich ihrer neuen Macht äußerst bewusst. Das spiegelte sich auch in der Mode der 20er Jahre wider: Die Kleidung für Frauen wurde freizügiger und bunter. Was die Accessoires betraf, galt die Regel: je mehr, desto besser. Glitzernder Schmuck, auffallende Perlenketten, schicke Handtaschen, ausgefallene Boas und Stirnbänder – dazu eine lange Zigarettenspitze und der Look für die Frau von Welt war komplett! Auf einmal war es auch Mode, dass sich die Frauen einen Bubikopf, eine kecke Kurzhaarfrisur, schneiden ließen. Einmal mehr wurde so die Unabhängigkeit und das neue Bewusstsein der Frau der 20er Jahre zum Ausdruck gebracht. 

 

Wenn Sie mehr über die inspirierendsten Frauenfiguren zu Zeiten der goldenen 20er Jahre wissen möchten, dann sollten Sie unbedingt weiterlesen. Im weiteren Text werden wir Ihnen die einzelnen starken Frauen vorstellen.

 

Berlin als Weltstadt der goldenen 20er Jahre

Berlin 1920Berlin galt in den goldenen 20er Jahren als kulturelles Zentrum Deutschlands. Die Stadt strahlte ein pulsierendes Lebensgefühl voll Unbeschwertheit, Fantasie und Schöpfergeist aus – und wurde so zu einem Anziehungspunkt für Kreative weltweit. So fanden sich allerlei Intellektuelle in der Sehnsuchtsstadt wieder, darunter Schauspielerin Erika Mann und Schauspieler Klaus Mann, Theaterregisseur Max Reinhardt sowie Expressionist und Autor Ernst Toller. Die Stadt war voller Ballhäuser, Theater, Bars und Nachtclubs und vor allem für das ausschweifende Nachtleben weltberühmt. Gerade Orte wie der Alexanderplatz sowie der Potsdamer Platz galten als Knotenpunkte des kulturellen Lebens. Berlin als nie schlafende Weltstadt – und das nicht erst heutzutage dank Techno-Clubs und Start-up-Kultur, sondern schon lange vorher. 

 

 

 

Sie dachten, das wäre schon alles? Keineswegs – es gibt noch viel mehr Wissenswertes über dieses blühende Jahrzehnt zu erfahren. Wohl mehr als jede andere Dekade üben die goldenen 20er Jahre wegen all dieser Gründe eine ganz besondere Faszination aus. So sehr, dass sich auch Schriftsteller immer wieder dieser kreativen Schaffensperiode widmen.

 

 

Die goldenen 20er in der Literatur

Buch, Töchter einer Zeit, KornDie Literatur der Weimarer Republik und somit die der 20er Jahre selbst hat Größen wie Hermann Hesse, Thomas Mann und Franz Kafka hervorgebracht. Dank ihnen dürfen wir uns heutzutage über so wertvolle Zeitzeugnisse und Meisterwerke wie „Der Steppenwolf“, „Der Zauberberg“ und „Der Prozess“ freuen. International gelten vor allem amerikanische Schriftsteller wie F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway als die bekanntesten Autoren der 20er Jahre. Es gibt aber auch heutzutage vielerlei Romane, die sich mit den 20er Jahren in der Literatur beschäftigen. Doch wohl niemand erzählt so eindrucksvoll vom Leben der 20er-Jahre-Frauen wie die deutsche Autorin Carmen Korns: Als erster Teil einer Trilogie geht es in „Töchter einer neuen Zeit“ neben Romanen wie „Zeiten des Aufbruchs“ und „Zeitenwende" um vier Frauen, die sich allesamt nach Freiheit und einem aufregenden Leben sehnen. Da gibt es Henny, eine Hebamme, die sich nach dem Ersten Weltkrieg nur noch ins Leben stürzen möchte. Ida, die aus gut betuchtem Hause stammt und nicht viel von der Welt weiß. Käthe, die sich leidenschaftlich für die Kommunisten einsetzt und Lina, die Lehrerin und alleinstehend ist. Sie alle verbindet vor allem eines: die Suche nach dem eigenen Leben. Einem Leben zu Zeiten der 20er Jahre. Der Roman erzählt von allerlei Höhepunkten, aber vor allem auch von Niederschlägen, eingerahmt in die Geschehnisse der Weltpolitik, die bereits auf den Zweiten Weltkrieg und die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten abzielen.

 

Wir wissen nun, dass die goldenen 20er Jahre grundlegende Annahmen für die Gesellschaft, Kunst und Kultur verändert haben – vor allem aber auch den Status der Frau. Auch heute noch zeugen die Entwicklungen in den 20er Jahren von einer ersten Emanzipation der Frauen. Ein Grund mehr, sich einmal die wichtigsten Figuren der Frauenbewegung in Erinnerung zu rufen:

 

Glanz und Gloria: die bekanntesten Frauenfiguren

Frauen, knapp bekleidet, 1920sWie bereits im Vorhinein eingeführt, kam der neuen Rolle der Frau in den goldenen 20er Jahren eine starke Bedeutung zu. Dabei gab es mehrere einzelne Frauenfiguren, die einen entscheidenden Einfluss auf die Geschichte hatten – und die gleichsam ein Vorbild für weitere Frauen auf der ganzen Welt waren. Wir haben die bedeutendsten Charaktere für Sie zusammengesucht und erzählen aus ihrem Leben:

 

Josephine Baker

Ihr Name steht synonym für die Frau der goldenen 20er Jahre: Die Amerikanerin Josephine Baker kam aus St. Louis, Missouri, nach Paris, um den Europäern den Charleston beizubringen. Als uneheliche Tochter einer Reinigungskraft und eines Schlagzeugers stammte sie ursprünglich aus ärmlichen Verhältnissen – und sollte dennoch als Star auf der Bühne aus den 20er Jahren hervorgehen. Aufgrund ihrer spärlichen Bekleidung bei ihren Auftritten und ihren extravaganten Kostümen erhielt sie allerdings vielerorts Auftrittsverbot, was sie aber für andere Bühnen nur noch attraktiver machte. Josephine Baker tanzte vorwiegend in Paris, trat aber auch öfters in Berlin auf. Ihr Tanz eröffnete ihr die ganze Welt. Nach ihren Erfolgen in den glorreichen 20er Jahren sollte sie sich zeit ihres Lebens für die Bürgerrechtsbewegung in den USA einsetzen.

Simone de Beauvoir

Sie ist eine der bekanntesten Feministinnen überhaupt: Schriftstellerin und Anhängerin des Existenzialismus: Simone de Beauvoir gilt als Vordenkerin der weltweiten Frauenbewegung. Die in Paris geborene Französin hat sich zeit ihres Lebens für die Emanzipation von Frauen eingesetzt. Vor allem ihr Roman „Das andere Geschlecht“ aus dem Jahre 1949 wurde zu einem Weltbestseller und gilt auch heute noch als grundlegende Lektüre für Generationen von Feministinnen nach ihr. Als Partnerin von Jean-Paul Sartre hat sie sich aber nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als Philosophin mit wegweisenden Ansichten weltweit einen Namen gemacht. Dreh- und Angelpunkt für ihre intellektuellen Bekanntschaften war das berühmte „Café de Flore“ in Paris, wo sie zusammen arbeiteten und Freunde trafen, u.a. den Schriftsteller Albert Camus. Mit Sartre sollte sie zeit ihres Lebens zusammenbleiben und die Welt bereisen, von den USA bis nach Kuba, um Che Guevara zu treffen. Auch heute noch, viele Jahre nach ihrem Tod, gilt sie als eine der berühmtesten Intellektuellen Frankreichs.

Coco Chanel

Keine andere prägte die Mode der 20er Jahre so sehr wie Coco Chanel: Die französische Modedesignerin steht bis heute synonym für die Revolution der Damenmode im Zuge der goldenen 20er Jahre. Bestes Beispiel dafür sind ihre Röcke bis zur Wade, lockere Stoffhosen und lose geschnittene Oberteile. Dazu dann der Kurzhaarschnitt, der sich unter den Frauen der 20er Jahre verbreitet hatte, und fertig war ein neues, bahnbrechendes Erscheinungsbild, welches ganz die Selbstbestimmtheit der Frau in den Vordergrund gestellt hat. Gleichzeitig ist Coco Chanel auch für das „Kleine Schwarze“ verantwortlich, das perfekte Kleid, das bis heute zu jedem Anlass passt und immer noch in jeden gut sortierten Kleiderschrank gehört. Auch heute noch gelten Coco Chanels Kreationen aus den 20er Jahren als wahre Klassiker – und das nicht nur für leidenschaftliche Feministinnen.


Marie Curie

Marie CurieSie gilt als eine der wichtigsten Vordenkerinnen – in den Naturwissenschaften. Marie Curie hat in den 20er Jahren mit ihrer Arbeit in der Physik und ihren Veröffentlichungen den Weg für viele weitere Wissenschaftlerinnen geebnet. Nicht zuletzt durch die Verleihung des Nobelpreises in Physik sowie Jahre später auch in Chemie. Sie stammte ursprünglich aus Polen und zog für ihre Forschungen nach Paris. Dort widmete sie sich in ihrer Arbeit der Erforschung von radioaktivem Material. In diesem Zusammenhang entdeckte sie zusammen mit ihrem Mann zwei neue Elemente der Chemie: Polonium und Radium. Allerdings starb Marie Curie bereits 1934. Es wird vermutet, dass sie an einer schweren Krankheit in Folge ihres alltäglichen Umgangs mit radioaktivem Material litt. Bis heute gilt sie als bekannteste Physikerin und ist ein weiteres Beispiel dafür, dass in den glorreichen 20er Jahren nicht nur immer mehr Frauen berufstätig wurden, sondern sich auch Arbeitsbereiche erkämpften, die ursprünglich allein den Männern vorbehalten waren.

 

 

Auch heute noch ist das Thema Feminismus und vor allem die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann eines der zentralen Themen unserer Gesellschaft. In beinahe 100 Jahren nach den goldenen 20ern hat sich viel verändert – aber noch immer sind Frauen Männern nicht in allen Bereichen gleichgestellt. Fest steht: Es muss sich noch viel ändern. Die goldenen 20er Jahre waren nur der Anfang.

 

 

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