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Für Ihre Buchbesprechung

Die Entstehungsgeschichte zu Verena Carls "Die Lichter unter uns"

Die Entstehungsgeschichte zu Verena Carls neuem Roman „Die Lichter unter uns“ ist ebenso facettenreich wie der Roman selbst. Was ist Glück? Wie sieht ein gelungenes Leben aus und warum scheinen die Anderen immer viel zufriedener zu sein als man selbst? Stellen Sie sich jetzt den großen Fragen des Lebens!

Glück und Liebe, der Deutschen liebster Sehnsuchtsort Italien und eine scheinbar intakte Familie spielen die Hauptrollen in Verena Carls neuestem Streich. „Die Lichter unter uns“ entführt uns in die emotionale Welt einer Frau mittleren Alters, die damit beschäftigt ist, sich mit anderen zu vergleichen.

Wenn Sie mit Ihrem Lesekreis mal wieder Lust auf einen messerscharf formulierten, kompromisslosen und zugleich einfühlsamen und zarten Gegenwartsroman haben, dann gönnen Sie sich diesen Schmöker. Zahlreiche Diskussionsgrundlagen sind Ihnen sicher!

Worum geht es in Verena Carls neuem Roman?

Sieben Tage können alles verändern. Eine Woche, in der scheinbar nichts von wirklicher Wichtigkeit passiert, lässt die gewohnte Welt aus den Fugen geraten. Zumindest die Welt der Protagonistin: Verena Carl erzählt in „Die Lichter unter uns“ die Geschichte von Anna, die mit ihrem Mann Jo und ihren beiden halbwüchsigen Kindern Judith und Bruno den Sommerurlaub auf Sizilien verbringt; in Taormina, einem Ort, den sie als Kind schon mit ihren Eltern in den Ferien besuchte. Die Stimmung unter den pubertierenden Kindern war schon mal besser, auch mit ihrem Mann fühlte sie sich bereits inniger verbunden, doch im Großen und Ganzen gibt es nicht viel auszusetzen. Außer ein paar Kleinigkeiten, die für Außenstehende möglicherweise lediglich den Anschein von Banalitäten haben:

Zum Beispiel die Tatsache, dass sie sich für ihren Urlaub gerade mal ein kleines, altes Haus leisten konnten. Zudem war Anna vor der Abreise noch beim Friseur, um sich einen Haarschnitt zu gönnen, der für sie den Inbegriff französischer Eleganz verkörpert. Doch statt eines feminen Erscheinungsbild hat sie das Gefühl eine spröde Kurzhaarfrisur einer pragmatischen Mittvierzigerin auf den Kopf zu haben. Zu guterletzt ist auch noch die Beziehung zu ihrer pubertierenden Tochter ungewohnt distanziert.

All das wäre kein Grund zur Beunruhigung ... Doch am Strand werfen Anna die zufälligen Blicke Alexanders, eines ebenfalls deutschen Urlaubers, aus der Bahn. Für einen kurzen Moment sieht sie sich mit seinen Augen – oder sind es nur ihre eigenen Projektionen, die sie wahrnimmt? Mit einem Mal fängt der feste Boden unter ihr an zu wanken und darunter tun sich existenzielle Fragen auf: Wovon träume ich? Habe ich mein Leben genutzt? Was macht ein gelungenes Leben überhaupt aus und warum sehen die Anderen immer glücklicher aus als ich selbst?

Die Frau dahinter: Wer ist Verena Carl?

Im Jahr 1969 erblickte Verena Carl im schönen München das Licht der Welt. Inzwischen lebt sie zusammen mit ihrer Familie in Hamburg.

Verena Carls Karriere begann an der Deutschen Journalistenschule, wo sie ihr Handwerk erlernte und perfektionierte. Im Anschluss startete sie ihr Volontariat beim Burda Verlag und veröffentlichte schließlich eine Reihe von Romanen; darunter auch heitere Frauenromane sowie literarische Werke. Zusammen mit ihrem Mann publiziert sie zudem Kinderbücher und Hörspiele. Unter anderem wurde sie bereits zweimal mit dem Hamburger Förderpreis für Literatur ausgezeichnet.

Die Entstehungsgeschichte des Romans

Als Autor weiß man nie genau, welche Momentaufnahme, welches Saatkorn es diesmal sein wird, das die Entstehungsgeschichte zu einem neuen Roman in Gang setzt. Laut Verena Carl können sich Romanideen aus nahezu allem ergeben: aus einer Zeitungsnotiz, Beobachtungen, Gesprächen oder diffusen Empfindungen. Im Voraus wisse man nie genau, was es sein wird. In diesem Fall begründete eine Urlaubsreise mit der Familie die Entstehungsgeschichte von „Die Lichter unter uns“. Verena Carl fühlte selbst eben jene Emotionen durch die sie ihr eigenes Glück bedroht sah. Und was macht man als Autorin daraus? Man kleidet sie in Worte und erfindet eine Figur, die zu ihnen passt.

Beziehungen als Leitmotiv

Dass ihre eigene Lebenssituation zumindest einen Teil zur Entstehungsgeschichte des Romans beigetragen hat, lässt sich nicht leugnen. Zentrale Motive im Roman sind Begegnungen und Beziehungen. Ebenso wie bei Verena Carl selbst stehen auch die Protagonisten nicht allein da. Ganz im Gegenteil: Sie sind in ein komplexes soziales System eingebettet, sowie in ein feines und kompliziertes Familiennetz verstrickt.

So verschieden die einzelnen Figuren auch sein mögen, eines haben sie alle gemeinsam: auf die eine oder andere Weise erwarten sie Rettung voneinander; vor den eigenen Ängsten, dem existenziellen Alleinsein, dem Älterwerden. Dabei möchte die Autorin gar nicht abstreiten, dass es möglich ist, durch einen anderen Menschen, durch die Liebe und den Zusammenhalt auf eine gewisse Weise gerettet zu werden. – Zumindest für kurze Momente. Doch die Figuren im Roman tappen in die Falle der Überhöhung. Sie erwarten zu viel vom Gegenüber, überfrachten Beziehungen mit unausgesprochenen Erwartungen und projizieren ganze Lebensträume in sie hinein. „Als Schreiberin und Leser oder Leserin ist man da immer ein Stückchen schlauer als die Figuren“, konstatiert Verena Carl. „Das heißt aber nicht, dass ich mich über sie erhebe.“

Wichtige Begegnungen für die Romanentstehung

Nicht nur Beziehungen zu anderen Menschen, die bereits in unserem Leben sind, sondern auch Begegnungen mit Fremden sind in „Die Lichter unter uns“ ein leitendes Motiv, das Verena Carl schon in der Entstehungsgeschichte sehr wichtig war. Anna begegnet am Strand von Taormina Alexander, der sie fasziniert. Dabei ist es nicht einmal der Mann selbst, sondern sein Blick. Anna glaubt, in seinen Augen etwas zu lesen, das sie viele Jahre lang nicht mehr in den Augen eines Mannes gespürt hat: Begehren. Sie glaubt, dass Alexander in ihr eine begehrenswerte Frau sieht, ein geheimnisvolles Gegenüber, das die Mühe wert ist ergründet zu werden.

Kurz gesagt: Alexander ist für Anna eine reine Projektionsfläche, noch viel mehr als es die Familienmitglieder selbst füreinander sind.

D.h zentrale Fragen, die in der Entstehungsgeschichte involviert waren, lauten:

  • Was ist eigentlich Liebe?

  • Ist es das Gefühl, das sich in einer tragfähigen Alltagsgemeinschaft als dauerhaft bewährt?

  • Oder ist es die reine Emotion, die von den „Niederungen der Realität“ ungetrübt bleibt?

  • Und warum haben wir für zwei so unterschiedliche Empfindungen nur ein und dasselbe Wort?

Und eine ganz persönliche Begegnung

Zur Entstehungsgeschichte von Verena Carls neuem Roman gehört unweigerlich auch eine private Anekdote, die wir Ihnen selbstverständlich nicht vorenthalten wollen:

Wie viele SchriftstellerInnen lebt auch Verena Carl nicht allein von der Literatur und dem Schreiben von Büchern. Ganz nebenbei bestreitet sie mit ihrer Tätigkeit als Journalistin auch noch die Hälfte des Familieneinkommens, kümmert sich um Kinder und Haushalt und versucht – genau wie wir alle – die vielen Facetten des alltäglichen Lebens irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Dass dabei nicht immer ausreichend Freiraum bleibt, um einen umfangreichen und tiefgehenden Roman zu schreiben, ist selbsterklärend. Schließlich handelt es sich dabei um ein schwer zu überblickendes Projekt. Dafür braucht es einen freien Kopf und möglichst wenig Stress.

„Ich wundere mich da manchmal über die Chuzpe mancher Kollegen männlichen Geschlechts, die sich das offenbar viel selbstverständlicher herausnehmen“, sagt Carl in diesem Kontext. Eine gewisse Kritik an den immer noch vorherrschenden Geschlechterrollen im Literaturbetrieb lässt sich hier dezent heraushören.

Doch wie es der Zufall wollte, sollten Verena Carl Freiraum gewährt werden. Eines Tages telefonierte sie mit einer Bekannten, die sie bis dato nur aus den Sozialen Netzwerken kannte. Nicht als Klage, sondern eher als Stoßseufzer sagte Carl am Telefon: „Seit drei Jahren habe ich diesen Romananfang in der Schublade. Wenn ich doch nur mal zwei Wochen ohne familiäre und sonstige Verpflichtungen hätte, um mich ganz aufs Weiterkommen zu konzentrieren, damit wäre für mich unendlich viel gewonnen!“ Am anderen Ende der Leitung war ein kurzes Zögern zu vernehmen – und dann ein Angebot der Großzügigkeit, das Verena Carl bis heute rührt. Ihre bisher eher lose Bekanntschaft bot ihr ein Gästezimmer zum Schreiben an. Dass die Wohnung ihrer Bekannten auch noch im begehrten Urlaubsort Barcelona lag, war ein zusätzliches „Tüpfelchen auf dem i“, so Carl.

Doch nicht nur ihre neue Bekannte, aus der inzwischen eine echte Freundin geworden ist, auch ihr Mann, ihre Kinder und ihre Mutter organisierten sich um, sodass Verena Carl sich drei Wochen lang in der Sonne Kataloniens mit ausschließlicher Hingabe dem Schreiben widmen konnte. Im Anschluss an diese intensive Zeit musste das Material natürlich noch überarbeitet und die Geschichte fertiggeschrieben werden, doch der wichtigste Teil war gemacht. Die erste Romanhälfte konnte dem Verlag vorgelegt werden. Übrigens: Verena Carl ist fest davon überzeugt, dass ein „Schreib-Asyl“ in Bielefeld oder Eisenhütten ebenso seine Wirkung gezeigt hätte – es ging einfach nur um das Eintauchen, die totale Versenkung. Und so war es auch hier eine unverhoffte Begegnung, die maßgeblich zur Entstehungsgeschichte beitrug.

Begegnen auch Sie im Rahmen Ihres Lesekreises der meisterhaften Erzählung der Autorin Verena Carl und lassen Sie sich in eine Welt entführen, die Ihnen einiges an Gesprächsstoff bieten wird. So sind Ihnen gemütliche Abende mit einem angeregten Gedankenaustausch garantiert!

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