Skip to main content
x
Stefan Zweig, Autor, Mann

Die Erinnerungen Stefan Zweigs: "Die Welt von Gestern" für Ihre Buchbesprechung

Stefan Zweig ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Neben Romanen wie „Die Schachnovelle“ und „Marie Antoinette“ gilt vor allem sein autobiografisches Werk „Die Welt von Gestern“ bis heute als literarischer Meilenstein. In seinen Erinnerungen blickt Stefan Zweig auf die damalige Gesellschaft im Kontext der beiden Weltkriege. Stefan Zweig war bekennender Pazifist und ein Befürworter und Vertreter eines vereinigten Europas. Die Vereinigung mehrerer Länder zu einem großen Ganzen, ist für uns heute selbstverständlich. Doch gerade in der gegenwärtigen Zeit wird die Welt immer zerbrechlicher. Da kommt die Lektüre eines Zeitzeugenberichtes wie „Die Welt von Gestern“ gerade richtig – und ist aktueller denn je. Das passende Buch für eine ausführliche Diskussion: Eine „Die Welt von Gestern“ Buchbesprechung sollte deshalb in keinem Lesekreis fehlen!

 

Lassen Sie sich darauf ein – erfahren Sie mehr über den österreichischen Schriftsteller und wie seine Erinnerungen an die schrecklichen Ereignisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur ihn, sondern viele Generationen nach ihm geprägt haben: 

 

Eine Einführung in das Leben von Stefan Zweig

Wien Panorama1881 in Wien geboren, verbrachte Stefan Zweig eine behütete Kindheit im Kreise seiner jüdischen Familie. Als Sohn von Ida Brettauer, die Tochter einer reichen Kaufmannsfamilie, und von Moritz Zweig, einem Textilunternehmer, konnte er schon als Kind seinem kreativen Interesse nachgehen. Er studierte schließlich Philosophie an der Universität Wien und durfte sich über erste veröffentlichte Texte freuen. Bereits 1904, mit 23 Jahren, erschien sein erstes Werk: die Novelle „Die Liebe der Erika Ewald“. Zu dieser Zeit arbeitete er auch als Journalist und Übersetzer. Da er sich nie große Sorgen um Geld machen musste, hatte er die Möglichkeit, viel zu reisen. Seine Auslandsaufenthalte führten ihn von Indien und Amerika bis nach Brasilien. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs ändert sich für ihn alles. Er wird Zeitzeuge einer schrecklichen Zeit, wird zum Flüchtling und muss eine neue Heimat finden.

 

 

 

 

Seine Werke wie „Sternstunden der Menschheit“ und „Verwirrung der Gefühle“ zeichnen Stefan Zweig bis heute als einen der wichtigsten Autoren des letzten Jahrhunderts aus. Eines seiner wichtigsten Werke mag aber wohl seine Autobiografie „Die Welt von Gestern“ sein. Der weitere Verlauf des Lebens von Stefan Zweig soll anhand der „Die Welt von Gestern“-Buchbesprechung veranschaulicht werden:

 

 

Die Welt von Gestern“ – Stefan Zweigs Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg

Zweig, Die Welt von Gestern, BuchAllein schon der Untertitel des Werkes zeigt eine Stellungnahme von Stefan Zweig: „Erinnerungen eines Europäers“ - er bekennt sich klar als Befürworter von Europa. Dabei fußen die Erzählungen in „Die Welt von Gestern“ auf den autobiografischen Erinnerungen Stefan Zweigs. Was dem Autor dabei besonders wichtig ist: Gleich zu Beginn sagt er, dass er sich zu „Aufrichtigkeit und Unbefangenheit“ verpflichtet fühlt. Stefan Zweig wählt für seine Autobiografie den Ich-Erzähler. Auf diese Weise werden die Geschehnisse für den Leser besonders lebendig dargestellt. Auch gewährt der Autor einen Einblick in sein Innenleben. Immer wieder werden wir Zeuge seiner Reflexionen über das eigene Handeln. Neben den Schrecklichkeiten des Ersten Weltkrieges und den politischen Umwälzungen zu dieser Zeit, erzählt Stefan Zweig auch von der Kultur, der Mode und dem Wertesystem der damaligen Gesellschaft. Das Werk beginnt mit den Erinnerungen an seine Heimat Österreich und die heiteren Jahre in Wien vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Er erzählt von seinen vielen Reisen, auf denen er verschiedene Schriftstellerkollegen kennenlernen durfte. Dann der Bruch: Der Erste Weltkrieg bricht aus und nichts ist mehr, wie es war. Die Allgemeine Wehrpflicht wird eingeführt und vor allem junge Männer wurden zum Militärdienst eingezogen. Stefan Zweig beschreibt in „Die Welt von Gestern“ wie er von vornherein nicht für eine Sache ‚mitkämpfen’ wollte, an die er überhaupt nicht glaubte. Er schaffte es, für die meisten militärischen Pflichten als „untauglich“ erklärt zu werden. Weiterhin beschreibt er, wie er es ihm anschließend gelang, eine Arbeit im Kriegsarchiv zu bekommen. Es war ihm ein Anliegen, „etwas zu leisten, ohne hetzerisch tätig zu sein“, wie er es formuliert.

„Von Anfang an glaubte ich nicht an den „Sieg“ und wußte nur eines gewiß: daß selbst wenn er unter maßlosen Opfern errungen werden könnte, er diese Opfer nicht rechtfertige. Aber immer blieb ich allein unter all meinen Freunden mit solcher Mahnung, und das wirre Siegesgeheul vor dem ersten Schuß, die Beuteverteilung vor der ersten Schlacht ließ mich oft zweifeln, ob ich selbst wahnsinnig sei unter all diesen Klugen oder vielmehr allein grauenhaft wach inmitten ihrer Trunkenheit.“ (Stefan Zweig, Die Welt von Gestern, S. 288)

Immer wieder erfährt der Leser von der inneren Zerrissenheit Stefan Zweigs. Tatsächlich wurde er noch vor Ende des Ersten Weltkriegs ganz vom Militärdienst freigestellt. Er verließ Österreich und suchte Unterschlupf in der Schweiz. Das neutrale Land übte eine besondere Anziehungskraft auf den Pazifisten aus. Von dort aus arbeite er bis Kriegsende als Korrespondent für die Wiener Zeitung „Neue Freie Presse“ sowie für Pester Lloyd. Dabei schrieb er vor allem über seine humanistische Sicht auf die Dinge.

 

Als Leser erfährt man nun immer mehr über Stefan Zweigs Einstellung und Meinungen zu den politischen Themen jener Zeit. Lesen Sie jetzt weiter, wenn Sie noch mehr darüber erfahren möchten, was den besonderen Reiz der Autobiografie ausmacht:

 

Nach Ende des Ersten Weltkriegs kehrt er nach Österreich zurück. Dort setzt er sich in all seinen Erzählungen, Dramen und Novellen gegen Nationalismus und für ein vereintes Europa ein. Doch nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 muss er wieder fliehen. Er geht nach England, wo er zuerst in London und dann in Bath die Zwischenkriegszeit verbringen wird. 1939, nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, nimmt er gar die britische Staatsbürgerschaft an. Schon damals steht fest: Er wird den Rest seines Lebens im Exil verbringen. Doch im weiteren Verlauf fühlt er sich auch in England nicht mehr sicher. Er muss noch weiter fliehen. Diesmal verlässt er Europa ganz. Weitere Stationen werden New York, Argentinien, Paraguay und schließlich Brasilien sein. Zusammen mit seiner Frau, immer auf der Suche nach seiner wahren Heimat und innerem Frieden.

Stefan Zweig trauert im Verlauf der Autobiografie immer wieder seiner alten Heimat nach. Dem Leben davor. Dem Leben, bevor er selbst als Flüchtling wieder und wieder Unterschlupf im Exil finden muss.

„...man gerade die wichtigsten Empfindungen erst versteht, sobald man sie selbst durchlitten hat. [...] Nein, am Tage, da ich meinen Pass verlor, entdeckte ich mit achtundfünfzig Jahren, dass man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde.“

Stefan Zweigs Reflexionen über Europa sind auch heute noch aktuell – so sprach er sich immer wieder dafür aus, dass eine Vereinigung Europas die einzige Chance sei, Frieden zu stiften und jede Gefahr von Krieg für die Zukunft aufzuhalten.

 

Extratipp: Eine kommentierte Ausgabe eignet sich wunderbar für eine „Die Welt von Gestern“ Buchbesprechung in Ihrem Lesekreis. So haben Sie all die wichtigen Hintergrundinformationen für eine Interpretation und genaue Analyse stets zur Hand.

 

Nun wissen Sie bereits mehr über Stefan Zweigs Autobiografie „Die Welt von Gestern“. Überzeugen Sie sich selbst. Sie werden bemerken, dass das Werk von 1942 nichts von seiner Aktualität und Aussagekraft verloren hat. 

 

„Die Welt von Gestern“ im Vergleich zu Stefan Zweigs weiteren Werken

Zweig, verschiedene BücherVielleicht sind Sie bereits mit der Literatur Stefan Zweigs bestens vertraut. Der österreichische Autor ist vor allem für seine Prosa und Romane wie „Marie Antoinette“ und „Joseph Fouché“ bekannt. Aber auch die „Schachnovelle“ oder „Der Amokläufer“ sind Meisterwerke der deutschsprachigen Literatur. Allgemein ist Stefan Zweig vor allem für seine prägnant-markante Schreibweise bekannt, die auch „Die Welt von Gestern“ ausmacht. Was all seine Werke noch miteinander verbindet: große Gefühle und ebenso große Enttäuschungen und Niederlagen. Aber auch eine gewisse Resignation und Melancholie. Dabei wird nicht nur das Innere eines Menschen und seine tragischen Umstände thematisiert wie beispielsweise in seinem Roman „Ungeduld des Herzens“. Auch der Faschismus und all seine Scheußlichkeiten werden in der „Schachnovelle“ behandelt. Ein weiterer Punkt, der sich wie ein roter Faden durch die Werke Stefan Zweigs zieht, ist eine Schwere. Eine Schwere, die von all den schicksalsträchtigen Ereignissen im Laufe der Geschichte zeugt. Und die in seiner Autobiografie „Die Welt von Gestern“ vollends zum Ausdruck kommt.

 

Extratipp: Auch wenn Sie „Die Welt von Gestern“ vielleicht schon gelesen haben, lohnt es sich, manche Meisterwerke des Literaturkanons mehrmals zu lesen. Denn mit jedem Mal ergeben sich neue Leseblickwinkel. Gerade zusammen mit den anderen Teilnehmern im Lesekreis können Sie so noch einmal völlig neue Erkenntnisse erlangen.

 

Wir haben mittlerweile viel Wissenswertes über den Lebensweg Stefan Zweigs und die Verarbeitung der Geschehnisse in „Die Welt von Gestern“ erfahren. Wie aber kann man sich nun die Entstehung des Werkes vorstellen? Noch dazu, da sich Stefan Zweig während des Schreibprozesses bereits im Exil befand?

 

Stefan Zweigs Zeit im Exil

Als Stefan Zweig sich an das Aufschreiben seiner Erinnerungen von vor und im Ersten Weltkrieg für „Die Welt von Gestern“ machte, lebte er bereits im Exil. 1934 hatte er Deutschland verlassen und war mit seiner zweiten Frau Charlotte Altmann nach England gezogen. 1940 floh er weiter nach Amerika. 

Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 durften die Bücher des Pazifisten Stefan Zweigs nicht mehr im Insel Verlag veröffentlicht werden. Stattdessen wurden sie nun von einem österreichischen Verlag verlegt. Tatsächlich wurden seine Werke auch auf die Liste der Bücherverbrennungen sowie die Liste verbotener Autoren gesetzt. 

Stefan Zweig schrieb sein Werk „Die Welt von Gestern“ in den Jahren von 1939 bis 1941. Mit nur wenig Gepäck im Exil hatte er auch keinerlei Notizen mehr bei sich. Im Vorwort zu „Die Welt von Gestern“ beschreibt er, wie er allein aus der Erinnerung das Werk verfasst hat. Wer ihm dabei half: seine erste Frau Friderike. Die aber, genauso wenig wie seine zweite Frau Charlotte, in seinem Buch erwähnt wird.

1942 erschien sein großer Erfolg „Schachnovelle“. Im Februar desselben Jahres nahm sich Stefan Zweig das Leben. „Die Welt von Gestern“ wurde posthum veröffentlicht. Der inzwischen 60-jährige Stefan Zweig hatte zusammen mit seiner Frau keine andere Möglichkeit mehr gesehen als den Freitod zu wählen. Zu der Zeit befanden sich beide in Rio de Janeiro. In seinem Abschiedsbrief, der anschließend gefunden wurde, schreibt er, er habe sich „aus freiem Willen und mit klaren Sinnen“ dazu entschieden. Stefan Zweig galt als Vorbild der Intellektuellen, die im 20. Jahrhundert auf der Flucht vor den Schrecken des Nationalsozialismus waren. Zeit seines Lebens hat es ihn gequält, dass er seine „geistige Heimat Europa“ verlassen musste. „Die Welt von Gestern“ erschien mitten im Zweiten Weltkrieg. Die Veröffentlichung wurde durch einen Zusammenschluss zweier Verlage mit Sitz in London und Stockholm möglich gemacht.

 

Nun wissen Sie, wie die Autobiografie entstanden ist, welche Beweggründe es seitens des Autors dafür gab und dass es sich heute noch lohnt, die Erinnerungen Stefan Zweigs in „Die Welt von Gestern“ im Literaturkreis zu behandeln.

 

Mögliche Diskussionsfragen

  • Welche Lösung formuliert Stefan Zweig, um eine zukünftige Kriegsgefahr abzuwehren?
  • Was können wir dagegen tun, die Vereinigung von Europa nicht als selbstverständlich anzusehen?
  • Was spricht dafür, was dagegen, dass es sich bei „Die Welt von Gestern“ um eine Autobiografie handelt?
  • Inwieweit ist das Schreiben für Zweig Dokumentation der Vergangenheit, inwieweit Gegenwartsbewältigung?
  • Wie kann man sich Stefan Zweigs frühes Weltbürgertum erklären?

 

Extratipp: Es gibt so viel mehr zu besprechen. „Die Welt von Gestern“ ist wirklich ein Buch, das in keinem Bücherregal – und vor allem in keinem Lesekreis – fehlen sollte. Um all die möglichen Themen und Punkte durchzuarbeiten, bietet es sich vielleicht an, mehrere Lesekreis-Stunden für diesen Zeitzeugenbericht aufzuwenden. Es bietet sich auch an, einzelne Kurzreferate an die Teilnehmer zu vergeben. So kann sich jeder besonders Gedanken über einen oder mehrere Kapitelabschnitte machen und besonders prägnante Zitate Stefan Zweigs herausarbeiten.

 

Gemeinsam in Ihrem Literaturkreis können Sie viel aus einer „Die Welt von Gestern“-Buchbesprechung mitnehmen. Begeben Sie sich auf die Spuren von Stefan Zweig. Jetzt wissen Sie bereits allerhand Neues über den österreichischen Schriftsteller, seinen Lebensweg und seine Beweggründe – „Die Welt von Gestern“ ist eines der Bücher, die es im Literaturkreis zu diskutieren gilt!
 

 

 

Diese Beiträge können Ihnen auch gefallen: