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Judith W. Taschler, Autorin, Frau

Wissenswertes über Judith W. Taschlers Roman "David"

Taschler, David, BuchIn ihrem neuen Roman „David“ beleuchtet Judith W. Taschler eindrucksvoll die Suche nach der eigenen Identität und das Thema Adoption. Die bekannte Autorin aus Österreich verfasst berührende und eindringliche Geschichten mit Tiefgang, die Leser und Kritiker gleichermaßen begeistern. Für Ihren Literaturkreis ist das neue Buch „David“ von Judith W. Taschler perfekt als Diskussionsgrundlage geeignet, wenn Sie sich gerne mit tiefgründigen Themen auseinandersetzen.

Der Roman beginnt dabei nicht nur spannend, sondern bleibt bis zu den letzten Seiten eine atemlose und vielschichtige Suche nach Identität, verwoben mit den Themen Adoption und Verlust. Im Zentrum stehen die Schicksale von heimatlosen und ungewollten Menschen, um die die Autorin ein breites Netz über vier Generationen spannt, das dicht miteinander verknüpft ist. Die Hauptfiguren sind Jan und Magdalena, deren Lebensgeschichte hier über ein Panorama einer Jahrzehnte währenden Familiengeschichte aufgefächert wird. Die Beziehungen der Familienmitglieder werden Schritt für Schritt seziert und die Schicksalsschläge betten sich in das Gefüge aus Schmerz, Trauer und dem Gefühl des Nichtdazugehörens. Beleuchtet wird vor allem die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die zur Identitätsbildung einer ganzen Familie wird. Ohne Zwang nimmt sich Judith W. Taschler in „David“ tabuisierten Themen wie Neid, Missgunst, Doppelmoral, Frauenfeindlichkeit, Heimatlosigkeit oder den Ausstieg aus dem vorgefertigten Lebenskonzept an.

Um eine anregende und aufregende Leserunde gestalten zu können, entscheiden Sie sich mit Ihrem Lesekreis am besten für einen konkreten Aspekt, auf den Sie Ihren Fokus richten.

 

Roman über das Schicksal Adoption

Mann, Blatt, FragezeichenDas Faszinierende an Judith W. Taschlers Roman „David“ ist die Kreation eines ganz persönlichen, literarischen Werkes mit autobiographischen Bezügen der Autorin. Psychologische Tiefgänge bzgl. familiärer Muster und Beziehungen, als auch Themen wie Adoption und Identitätssuche werden hier auf ergreifende Weise dargestellt:

Jan, der Hauptprotagonist in Judith W. Taschlers „David“, hat sein Leben scheinbar im Griff. Sein vorerst einziges Manko scheint die abstruse Angst vor zu großer Nähe zu sein. Als er seine Mutter allerdings bei einem tragischen Autounfall verliert, steht er von einem Tag auf den anderen vor einen Abgrund: Ab diesem Tag nimmt das Schicksal seinen Lauf und er erfährt, dass seine Mutter nicht seine leibliche Mutter war. Vielmehr lebte er bis zu seinem ersten Lebensjahr unter dem Namen David.  

Plötzlich sieht er seine Herkunft, sowie seine ganze Identität infrage gestellt. Folglich versucht er das Geheimnis um seine Herkunftsfamilie und seine eigene Person zu lösen. – Ein Unterfangen, das viel Stoff für Diskussionen in Ihrem Literaturkreis bietet. Grundsätzlich eigenen sich oftmals Bücher mit psychologischem Tiefgang wunderbar, denn hier lassen sich viele unterschiedliche Facetten beleuchten und eigene Erfahrungen können mit ins Spiel gebracht werden.

Speziell bei Judith W. Taschlers Roman „David“ können Sie in Ihrem Lesekreis folgende Diskussionsfragen aufgreifen:

  • Welche wichtigen Themen spricht das Buch an und sind diese ihrer Meinung nach aktuell?

  • Wie geht der Roman mit den Themen Identität, Familie und Herkunft um?

  • Wie stehen Sie selbst zum Thema Adoption und offener Umgang damit?

  • Hat der Roman dazu beigetragen Ihre Sicht zu ändern oder zu erweitern?

  • Welche Botschaft möchte die Autorin Judith W. Taschler mit ihrem Werk den LeserInnen mitgeben?

  • Wie verändern sie sich die Hauptcharaktere im Laufe des Buches? Welchen Einfluss haben bestimmte Schicksalsschläge hierauf?

  • Fanden sie bestimmte Personen besonders sympathisch? Gab es andere, die Sie nicht leiden oder verstehen konnten? Wenn ja, was waren Ihre Gründe dafür?

  • Welche Assoziationen hatten Sie vor der Lektüre hinsichtlich des Covers und Titels?

  • Hat Sie das Buch emotional berührt oder beschäftigt?

  • Hatte das Buch einen Bezug zu persönlichen Erfahrungen, die Sie gemacht haben? Wenn ja, in welcher Weise?

  • Können Sie sich mit den Personen identifizieren?

 

Biografische Aufarbeitung der Autorin

 Papierschnitt, Familie, KinderhandNachdem bereits bekannt ist, dass Judith W. Taschler in „David“ auch mit autobiographischen Komponenten spielt, könnten Sie für weitere anregende Gespräche einen Blick in die Biographie der Autorin werfen. Basierend hierauf lassen sich möglicherweise Parallelen zwischen Autorin und Protagonisten identifizieren.

Wenn Sie nun neugierig geworden sind, wer die Autorin Judith W. Taschler ist, lesen sie hier weiter:  

Die Autorin Judith W. Taschler wurde in Linz geboren und wuchs mit insgesamt sechs Geschwistern auf. Eine Hülle an Büchern, sowie ein Leben mit Tieren zählten ebenso zu ihrer idyllischen Kindheit. Inzwischen ist sie selbst Mutter von drei Kindern und lebt mit ihrem Mann in Innsbruck.

Themen wie Adoption und die Suche nach der eigenen Identität sind ihr jedoch nicht fremd. Die Autorin kam selbst mit acht Monaten in eine Pflegefamilie, die sie in ihrem dritten Lebensjahr adoptierte. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die sie durch ihre eigene Lebensgeschichte sammelte, konnte sie nun in dem Charakter Jans wiedergeben.  Eine Grundlage, die ihr zugleich ermöglicht die Gefühlswelt des Hauptprotagonisten authentisch widerzuspiegeln. – Ob das nun die persönliche Gemütslage oder die Reaktionen von außen beim Thema Adoption sind, all das sind Wahrnehmungen, die sie selbst als Kind und junger Mensch geprägt haben.

Die Fragen nach der „wahren Familie“, den eigenen Wurzeln oder auch danach, warum die eigenen Eltern einen nicht wollten, sind schmerzhaft und werden zum Teil der eigenen Identität. Das alles sind intime Fragen, die Judith W. Taschler in ihrem Roman „David“ verarbeitet und den LeserInnen einen Einblick in die Gefühlswelt adoptierter Menschen gibt.

Hinzu kommen Überlegungen, wann persönliche Grenzen überschritten werden und wie man als Außenstehender am besten mit so einem sensiblen Thema umgeht. – Sie sehen, in Judith W. Taschlers „David“ werden hoch emotionale und tiefgründige Motive aufgegriffen, die sich ideal in einem Lesekreis diskutieren lassen.

Trotz dieser sichtbaren Parallelen betont Judith W. Taschler, dass ihr Roman „David“ nicht als Autobiographie anzusehen ist. Ihre eigene Kindheit verlief liebevoll und beschaulich.

Ab wann kann eine Lektüre dann als Autobiographie bezeichnet werden? Wie viel autobiographische Bezüge sind hiefür notwendig? – Hat sich Ihr Literaturkreis diese Frage bereits gestellt? Welche Definition würden Sie hierfür abgeben?

Sie sehen, ein weiterer Punkt wartet in Ihrer Buchrunde behandelt zu werden!

Fest steht nun, dass das Buch feinfühlig ist und einen genauen, analytischen Blick auf die Identitätssuche in einer Adoptivfamilie bietet. – Doch was bedeutet Identität? Ist es der eigene Name, der Ausweis, die Herkunft oder z.B. die Nationalität?

 

Lesen Sie hier weiter was Identität bedeuten kann und holen Sie sich Inspirationen für weitere Diskussionspunkte:

 

Was bedeutet Identität?

Frau, fehlendes Gesicht, schwarzweißNeben den genannten statischen Fakten, stellt sich des Weiteren die Frage wo die Entwicklung der Identität beginnt und was den Menschen zu genau dem macht, der er ist? Die Forschung geht davon aus, dass die Entwicklung der Identität bereits bei der Befruchtung im Mutterleib beginnt. D.h. die genetische Identität basiere auf der Chromosomenmischung von Mutter und Vater, die der eigenen Persönlichkeit ein Leben lang zugrunde liegt. Geht man von dieser Genpool-basieren Identität aus, bedeutet dass, das die biologischen Eltern nicht nur einen immensen Einfluss auf die eigene Identität nehmen, sondern ein Teil davon bereits vordeterminiert ist.  

Zusätzlich spielt die kulturelle Identität, die sich unter anderem aus den sozialen, ökologischen und ökonomischen Faktoren zusammensetzt, eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung der eigenen Persönlichkeit.

Ebenso essenziell für unsere Identität ist der erste Lebenszyklus nach der Geburt. Wussten Sie, dass die Grundstruktur unseres zentralen Nervensystems schon in den ersten Lebensjahren geformt wird? D.h. alles, was dem Einzelnen in der frühkindlichen Lebensphase widerfährt, ist maßgeblich an der Ausformung der eigenen Identität beteiligt, die ein Leben lang besteht. Das soziale Umfeld, in das wir geboren werden und die ersten Erfahrungen, die wir machen, sind von großer Wichtigkeit.

Kann für Adoptivkinder hieraus ein Dilemma entstehen? Ist die Frage nach der eigenen Identität tatsächlich an die Interaktion mit den biologischen Eltern gebunden oder gibt es signifikante Andere, die das Leben ebenso prägen können?

 

Fremd in der eigenen Familie

Mann, sitz, dunkel, traurigHäufig kursiert die Meinung, durch eine ungeklärte Identitätsfindung fremd in der eigenen Familie zu sein. Grund hierfür seien die „anderen“ Wurzeln, aus denen die Kinder entstanden sind, woraufhin sich der adoptierte Mensch entwurzelt fühle. Die Schlussfolgerung hieraus sei, dass sich der Mensch mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann in seinem Leben auf die Suche nach seiner „wahren Identität“ macht, so wie David in dem gleichnamigen Roman von Judith W. Taschler.

Doch trifft diese Annahme tatsächlich zu? Lässt sich das Thema Adoption, Entwurzelung und Identitätssuche so leicht erörtern? – Stecken da oftmals nicht komplexere Zusammenhänge dahinter?

Natürlich kann das völlige Nichtwissen über die Ursprünge beängstigend sein, denn wir Menschen neigen häufig dazu, uns mit den Eltern zu identifizieren. Ist das nicht möglich, tut sich bei Manchen eine schmerzhafte Lücke auf und die eigene Identität fühlt sich instabil an.

Dabei kann es genauso um äußere Merkmale, wie Haar- oder Augenfarbe, Statur oder Gesichtszüge gehen, wie auch um Wesensmerkmale. Familienähnlichkeiten sorgen für ein Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit. Darum wird die Sehnsucht von Adoptivkindern verständlich, etwas von den „wahren“ Eltern zu erfahren. Zumindest ergeht es so Jan oder vielmehr David in Judith Taschlers grandios geschriebenem Roman, der diese schmerzhafte Lücke sein Leben lang spürt, bis er endlich der Geschichte seiner Ursprungsfamilie auf die Spur kommt.

 

 

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