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Für Ihre Buchbesprechung

Ein Gespräch mit John Ironmonger

John Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Welt, in der wir leben? Was brauchen wir, um uns aufgehoben zu fühlen? Und was würdest du tun, wenn alles auf dem Spiel steht?

Im folgenden Gespräch erfahren wir mehr über den Autor und seinen Roman.

 

John Ironmonger über die Entstehung seines Romans "Der Wal und das Ende der Welt"

Kann es sein, dass "Der Wal und das Ende der Welt" ein einzigartig optimistischer Endzeit-Roman ist? Was hat Sie dazu inspiriert, diesen Roman zu schreiben?  Sind Sie ein Optimist?

Jedes Mal, wenn ich einen apokalyptischen Roman lese oder einen Endzeitfilm ansehe, ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass sich die Menschen so einfach niemals verhalten würden! Man will uns glauben machen, dass wir beim leisesten Anzeichen von Unruhe anfangen, uns gegenseitig abzuknallen. Aber erinnern Sie sich mal an Großbritannien während der Bombenangriffe der deutschen Luftwaffe 1940/41. Denken Sie an Länder, in denen Lebensmittel ein knappes Gut sind. Die Menschen zerfleischen sich nicht. In Zeiten der Krise halten wir zusammen. Daran glaube ich. Ich bin mir nicht sicher, ob es Optimismus oder Realismus ist. Aber ich bin schon seit längerem überzeugt, dass das eine bessere Geschichte hergibt als die herkömmlichen ausgelutschten Plots, in denen einige wenige überleben.

In Ihrer Geschichte finden sich starke religiöse Untertöne. Was erzählt das Buch über den Glauben und Gott?

Ich bin mir nicht sicher, ob Aufgabe eines Autors ist, eine Meinung zur Beschaffenheit (oder der Existenz) Gottes zu haben, und ich versuche, mich nicht in dieses Gebiet zu verirren. Aber ich bin in einer sehr gottesfürchtigen Familie aufgewachsen und ich nehme Zeichen von Religion in vielen Dingen wahr, über die ich schreibe. Das Ende der Welt wäre auf jeden Fall ein ziemlich ‘biblisches’ Ereignis. Deswegen fand ich es wohl naheliegend, den Roman mit religiösen und nicht-religiösen Charakteren zu bevölkern, um zu sehen, wie jeder von ihnen auf den Notstand reagiert.

Ihr Roman beginnt mit einem Motto aus Thomas Hobbes’ "Leviathan". Ist "Der Wal und das Ende der Welt" Ihre Antwort auf die Behauptung, der Mensch sei von Natur aus egoistisch?

Ja. Ich denke schon. Rousseau kritisierte Hobbes für die düstere Meinung, die er von der menschlichen Natur hatte. Er argumentierte vielmehr dafür, dass wir in unserem Naturzustand gemeinsam für unser aller Wohl zusammenarbeiten. Ich glaube, dass die zeitgenössische Literatur (und vor allem Filme heutzutage) dazu tendiert, die Hobbes’sche Perspektive auf die Menschheit einzunehmen. Also ja, in einem sehr kleinen Rahmen ist dies mein Versuch, zu einer Balance beizutragen.

In Ihrem Roman wird eingehend diskutiert, inwiefern wir unseren Versorgungsketten blind vertrauen. Was veranlasste Sie dazu, diesen Domino-Effekt zu untersuchen? Ist die rasante Globalisierung sowohl Segen als auch Fluch?

Auf mich üben Landwirtschaft und die Güterverteilung auf die wir uns heutzutage verlassen eine enorme Faszination aus. Der gesamte Weg von Lebensmitteln - vom Bauernhof zum Küchentisch - wurde immer komplexer und hat inzwischen beinahe labyrinthartige Züge. Denken Sie an die High-tech-Maschinen, an Kühlhäuser, Netzwerke aus spezialisierten Zulieferern und komplizierte Verpackungen. Aber das funktioniert alles so unfassbar gut, dass wir kaum darüber nachdenken, welche Risiken diese Prozesse in sich bergen. Je komplexer diese Systeme allerdings sind, desto fragiler werden sie. So fragil, dass jede größere Störung (wie eine Pandemie oder ein Treibstoff-Engpass) zu einem Zusammenbruch und damit zur Katastrophe führen könnte. Da scheint es merkwürdig, dass sich hochentwickelte Länder so intensiv mit ihrer militärischen Verteidigung beschäftigen (nur als Beispiel) und sich so wenig um die Sicherung von Nahrungsmitteln bemühen. Also ja, ich fürchte, dass die Globalisierung eher die Samen ihrer eigenen Zerstörung mit sich bringt. Ist sie deswegen ein Fluch? Ich weiß es nicht. Mir gefällt es schon, dass ich Avocados und Thunfisch und Wein aus Australien kaufen kann. Aber die Frage, wie wir unsere Städte ernähren wollen, wenn die Netzwerke nicht mehr funktionieren, macht mich nervös.

Sie stammen aus Cornwall und lebten dann als Jugendlicher einige Jahre in Mevagissey. Was bedeutet es für Sie, diesen Teil Ihrer Identität in Ihrem Roman zu verarbeiten?

Ich war siebzehn, als sich meine Eltern beschlossen, nach Mevagissey zu ziehen. Meine Mutter war dort aufgewachsen und sehnte sich nach dem Dorf ihrer Kindheit. Sie kauften einen Gemischtwarenladen auf dem Hafenplatz, und ich arbeitete während der Schul- und Semesterferien für meinen Vater, räumte Regale ein, schnitt Schinken, lieferte Lebensmittel an die entlegeneren Häuser an den Klippen. Erst dachte ich, es würde mir dort nie und nimmer gefallen. Meine Freunde waren alle weit weg, und diese kleine Stadt war so still und abgelegen (besonders im Winter). Aber, wie Joe, fand ich dort eine außergewöhnliche Gemeinschaft. In nur wenigen Wochen kannte ich die Namen und Gesichter dutzender Dorfbewohner. Ich hatte neue Freunde gefunden und angefangen, dieses Sicherheitsnetz aus Rückhalt und Unterstützung, an dem jeder Dorfbewohner beteiligt war, zu verstehen. Ich wollte schon lange darüber schreiben. Für mich ist es ein Privileg, all das teilen zu können.

Verraten Sie uns, wo das Meer Aminata und Joe hintreibt? Haben Sie eine gemeinsame Zukunft?

Ahh - selbst wenn ich das wüsste, ich würde es nicht verraten. Die Macht jedes Romans liegt ja nicht zuletzt darin, dass die Charaktere und unsere Vorstellungskraft befreit werden. Würde ich mich je hinsetzen und eine Fortsetzung schreiben (was ich nicht vorhabe), würden mich die Charaktere mit ihrer Entschlossenheit, Dinge zu tun und zu sagen, selbst überraschen. Also stellen Sie sich ruhig das vor, was Sie sich für Aminata und Joe wünschen. Das ist die Zukunft, die die beiden haben. Das macht die einzigartige Kraft der Fiktion aus.

Wer sind ihre Lieblingsautoren? Und welcher Schriftsteller hat Ihr Schreiben beeinflusst?

Ich bin ein ziemlich vielseitiger Leser und lese Romane verschiedenster Macharten aus den verschiedensten Genres. Ich mag zeitgenössische amerikanische Autoren wie Jonathan Franzen, Donna Tartt und Garrison Keiller und ich liebe die Sachbücher von Bill Bryson. Außerdem bin ich ein großer Fan von Damon Runyons Kurzgeschichten. Aber in dem Moment als ich John Irvings "Garp und wie er die Welt sah" las, wusste ich, dass ich Schriftsteller werden wollte. Seitdem bin ich ein absoluter Irving-Fan.

Woran arbeiten Sie im Moment?

Ich nehme letzte Schönheitskorrekturen an einem Roman vor (Arbeitstitel: To Cast Away Stones) über einen Mann, der kein einziges Gesicht je vergisst. Und ich bin dabei, einen fünften Roman zu schreiben, in dem es um vier merkwürdige Charaktere geht, die zufällig alle auf einem Floß sitzen. Ich bin nicht sicher, was daraus wird, aber das Schreiben macht mir Spaß. Und das ist ja schon mal etwas.

Der Wal und das Ende der Welt

22.00 €

Ein kleiner Ort in Cornwall und eine große Geschichte über die Menschlichkeit.

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

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