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Für Ihre Buchbesprechung

„Ein richtig falsches Leben” – ein brisanter Gesellschaftsroman über die Morde der RAF von Jakob Bodan

Schon allein der Titel macht neugierig: „Ein richtig falsches Leben” – was soll das sein? Und was genau hat es damit auf sich?

Fest steht: Der Autorenname Jakob Bodan ist ein Pseudonym. Es handelt sich hierbei um einen renommierten Schriftsteller, der aber lieber anonym bleiben will. Das Werk behandelt ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte: Im Mittelpunkt der Handlung steht die Mordserie der RAF, von der viele Morde und Gewalttaten bis heute ungeklärt sind. Darum ist es umso wichtiger, sich diese schrecklichen historischen Ereignisse, die damals zur Spaltung der deutschen Gesellschaft geführt haben, immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Das ist Jakob Bodan mit seinem Werk „Ein richtig falsches Leben” definitiv gelungen.

Lesen Sie weiter, was den Autor auszeichnet, wie er schreibt und warum „Ein richtig falsches Leben” nicht nur ein brisanter Gesellschaftsroman ist, sondern das passende Buch für Ihren Lesekreis:

Jakob Bodan – Schreiben unter Pseudonym

© Jakob Bodan

Wenn es sich bei einem Buch um das erste Werk eines Autors handelt, wird es immer spannend: Es tritt auf einmal ein Schriftsteller auf, der etwas zu sagen hat und sich durch sein Schreiben Gehör verschafft. Und gerade das macht die Lektüre von bisher unbekannten Autoren im Lesekreis so bereichernd: Sie sorgt für Abwechslung und bringt sprichwörtlich „frischen Wind” in die Sache. So ist es auch bei Jakob Bodan. Doch wer ist Jakob Bodan? Wie schreibt er? Und wie schafft er es, ein so realitätsnahes Thema wie die Mordserie der Terroristengruppe RAF in einem Roman zu behandeln?

Jakob Bodan schreibt unter Pseudonym. In der Realität hat er jahrelang zum Thema RAF geforscht. Seine Biografie lässt erfahren, dass er neben seiner Arbeit als Schriftsteller auch als Filmemacher arbeitet. Immer nach dem Motto: „Wovon man nicht schweigen darf, davon muss man schreiben.”

Selbst in den Bergen aufgewachsen, lebt er heute zwischen Berlin und Monterey, Kalifornien. Obwohl „Ein richtig falsches Leben” das erste Buch aus der Feder von Jakob Bodan ist, sind die Medien bereits begeistert – sowohl von seiner Art zu schreiben als auch von seinem Umgang mit dem Thema an sich. So rezensiert etwa das Magazin EMOTION: „Der Ton von Jakob Bodan ist trocken, oft überraschend komisch, ohne die Tragik zu banalisieren. Dicht am Geschehen schafft Bodan es, das Scheitern einer Idee, das Scheitern eines Mannes und die Verstrickungen im Hintergrund authentisch aufzuarbeiten.” Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: „Bodan kann schreiben, er gönnt sich und uns eine bisweilen sarkastische Schärfe beim Blick auf die Zombiegestalten.” Jakob Bodan selbst sagt in einem Interview mit dem Verlag über seine Motivation, dieses Buch zu schreiben: „Der Roman ist alles andere als eine Geschichtsstunde. Die gibt es allenfalls gratis dazu. Es geht mir nicht um die Aufarbeitung vergangener terroristischer Verbrechen. Wie sollte ich auch leisten, was der Polizei bisher nicht gelang? Der Roman ist keine journalistische Arbeit, sondern Literatur. Er zeigt, wie die Ereignisse bis heute nachwirken. Er spielt überwiegend heute.” Alle Figuren sind frei erfunden. Und doch bildet die Handlung die Geschichte der RAF nach dem Ende der DDR ab.


Extratipp: Wer keine trockenen Geschichtsbücher lesen mag, liegt mit diesem Roman genau richtig. Es ist das passende Buch für jeden Lesekreis, denn es enthält alles, was man sich für die Buchbesprechung wünschen könnte: historische Fakten, ein brisantes Thema und eine spannende Handlung. Clever geschrieben von einem Autor, über den es bis jetzt nur wenige Meinungen gibt – also können Sie sich in Ihrer Lesegruppe frei von Erwartungen darüber austauschen.

„Ein richtig falsches Leben” – Einblick in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte

Obwohl es die RAF schon lange nicht mehr gibt, holt Frederic, eine der Hauptfiguren in „Ein richtig falsches Leben”, die eigene Vergangenheit immer wieder ein: Als RAF-Terrorist ist er vor Jahrzehnten untergetaucht und lebt seitdem im Untergrund. Die Polizei konnte ihn nie aufspüren und für seine schrecklichen Taten verantwortlich machen. Im Exil in Frankreich lebt er ein scheinbar normales Leben. Als „Marmeladenmann” verkauft er selbstgekochte Marmeladen mit provenzalischen Kräutern. Eines Tages trifft er auf Constanze. Die beiden nähern sich an, doch plötzlich ist alles wieder da. Denn sie ist die Tochter eines damaligen Mordopfers der RAF. Seitdem treibt sie nur eine einzige Frage um: Wer hat ihren Vater umgebracht? Da kommt Frederics wahre Vergangenheit zum Vorschein. Nach all den Jahren des Versteckspiels und Verdrängens. Und Constanze setzt zurück in Deutschland alles daran, die Fahndungen wieder aufleben zu lassen.

© Jakob Bodan

Der Roman spielt nach dem Fall der Mauer, als die sogenannte dritte Generation der RAF nach Ende der DDR die Mordserie fortführte. Jakob Bodan erzählt die Handlung sowohl aus der Sicht der Frauenfigur Constanze als auch von Frederic. Dabei fokussiert er sich auf das Seelenleben des Untergetauchten. Gleichzeitig lässt er aber auch Vertreter der Regierung und der Polizei nicht außen vor und erschafft so einen äußerst brisanten politischen Thriller, in dem es um die großen Fragen nach der Schuld und Strafe geht – immer auf der Suche nach der Wahrheit. Dazu verwendet der Autor, der hinter dem Pseudonym des Jakob Bodan steckt, eine besonders klare und clevere Sprache, die weder vor Sarkasmus noch Mitgefühl zurückschreckt. Ein packender, berührender und tragischer Gesellschaftsroman, der jeden Leser in seinen Bann zieht.

Extratipp: Bestimmt habe Sie selbst auch noch Erinnerungen an diese schaurige Zeit aus Nachrichtenmeldungen oder Ähnliches? Für die anschließende Diskussion kann es hilfreich sein, sich diese Eindrücke noch einmal während der Lektüre immer wieder zu notieren. So können Sie diese in die Buchbesprechung mit einbringen.


Damit Sie anschließend an die Lektüre bestens auf die anstehende Buchdiskussion in Ihrem Literaturkreis vorbereitet sind, ist es wichtig, sich noch einmal die geschichtlichen Ereignisse in Erinnerung zu rufen:

Geschichtlicher Hintergrund

Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin – die Gründer der RAF (“Rote Armee Fraktion”), der linksextremistischen Terrororganisation, und ihre Mitglieder sind mit Morden, Entführungen und Gewalttaten für eine der schrecklichsten Episoden im Nachkriegsdeutschland verantwortlich. Und auch wenn die Mordserie überwiegend im Deutschland der 1970er / 1980er Jahre stattgefunden hat, ist das Thema aktuell wieder in den Medien: Hatten die Gründungsmitglieder 1977 Suizid im Gefängnis begannen, wirkte die Terrorgruppe noch bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1998. Bis heute wird nach den drei RAF-Terroristen der sogenannten dritten Generation nach Ende der DDR gesucht: Die RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg sind immer noch untergetaucht, doch erst vor wenigen Wochen wurden neue Fahndungsfotos veröffentlicht.

Denn von den insgesamt 34 Morden, die der Terrorgruppe zugeschrieben werden, sind viele immer noch nicht endgültig aufgeklärt. Stattdessen sind die drei RAF-Terroristen der dritten Generation seit Jahrzehnten abgetaucht und führen ein Leben im Untergrund. Ein Film, der noch einmal vertieft in die terroristischen Taten der Gruppe einführt, ist „Der Baader Meinhof Komplex” mit Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu in den Hauptrollen.

Extratipp: Vielleicht können Sie sich glücklich schätzen und haben einen Geschichtslehrer unter den Teilnehmern Ihrer Leserunde? Dann bitten Sie ihn doch, bis zur gemeinsamen Diskussion die wichtigsten historischen Fakten und Ereignisse für die Runde noch einmal zusammenzufassen. So können Sie alle das Beste aus der Buchbesprechung herausholen!


Ein weiterer wichtiger Bestandteil einer Buchbesprechung: Welchem Genre kann das Werk zugeordnet werden? Das ist bei „Ein richtig falsches Leben” nicht eindeutig klar – und deshalb umso spannender, zusammen zu erörtern:

Krimi, Thriller oder Gesellschaftsroman?

Die Rezensenten sind sich noch nicht ganz einig: Um welches Genre handelt es sich bei Jakob Bodans „Ein richtig falsches Leben”? Ist es ein Krimi? Gar ein politischer Thriller? Oder lässt er sich schlichtweg als Gesellschaftsroman beschreiben? Verschiedene Merkmale lassen unterschiedliche Schlüsse zu: Mord und Totschlag lassen definitiv Thriller-Elemente erkennen. Und auch die Frage nach der Schuld lässt den Roman als Krimi einordnen. Da es sich aber auch um eine Darstellung der Gesellschaft dieser Zeit handelt, ist auch die Bezeichnung als Gesellschaftsroman zulässig. Eine spannende Frage, die nicht so einfach gelöst werden kann und die es deshalb in Ihrer Buchbesprechung zu diskutieren gilt. So oder so: „Ein richtig falsches Leben” gehört auf jeden Fall zur Kategorie „gehobene Unterhaltung” – und sorgt so als anspruchsvolle Literatur für besonders hitzige Diskussionen in Ihrer Lesegruppe.

Extratipp: Gerade wenn Sie Teilnehmer in Ihrem Lesekreis haben, die vielleicht vor bestimmten Genres wie etwa Krimis oder Thrillern zurückschrecken, dann ist dieses Buch die ideale Gelegenheit, um sie an das jeweilige Genre heranzuführen. Und das ganz ohne Vorurteile oder Vorbehalte.

Nun wissen Sie bereits eine ganze Menge mehr über „Ein richtig falsches Leben” und haben hoffentlich Interesse daran gefunden. Um Ihnen die anschließende Diskussion an die Lektüre in der Literaturgruppe zu erleichtern, haben wir bereits ein paar brennende Einstiegsfragen für Ihre Buchbesprechung im Lesekreis gesammelt:

Mögliche Diskussionsfragen

  • Welchem Genre würden Sie das Buch zuordnen?
  • Welche Rolle spielen die Frauenfiguren im Roman?
  • Finden Sie die Romanhandlung schlüssig?
  • Wie wurde das Thema der RAF-Morde im Roman Ihrer Meinung nach umgesetzt?
  • Wie viel davon ist Fiktion, wie viel Realität?
  • Werden die Terroristen im Roman verharmlost?
  • Wie empfinden Sie den Schreibstil von Jakob Bodan? Würden Sie weitere Bücher von ihm lesen?
  • Können Sie es nachvollziehen, dass der Autor unter Pseudonym schreibt?

In „Ein richtig falsches Leben” behandelt der deutsche Schriftsteller mit dem Pseudonym Jakob Bodan die RAF-Mordserie – kein einfaches Thema. Doch dank seiner jahrelangen Erforschung der Terroristengruppe gelingt es dem Autor, die Thematik wieder in den Vordergrund zu rücken. Und gerade das macht die Lektüre von „Ein richtig falsches Leben” für Ihren Lesekreis so spannend: Denn hier können Sie gemeinsam mit den anderen Teilnehmern auch schwierige Themen erörtern – und dabei bestimmt noch eine ganze Menge dazulernen. Gerade jetzt, wo das Thema aktuell in den Medien wieder behandelt wird. So eignet sich „Ein richtig falsches Leben” nicht nur für Geschichtsliebhaber oder Krimifans, sondern hält für alle Leser etwas parat. Der Austausch mit anderen und die offene Diskussion – genau das macht die Teilnahme an einem Literaturkreis aus. Lassen Sie sich darauf ein und entdecken Sie gemeinsam das Werk von Jakob Bodan.

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