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Für Ihre Buchbesprechung

Die Schriftstellerin Taiye Selasi über das Buch "Diese Dinge geschehen nicht einfach so"

Taiye Selasi beschreibt in ihrem Buch die innere Zerrissenheit einer Familie, die jeglichen Bezug zu ihrer Herkunft verloren hat.

„Woher kommst du?“ ist eine Frage, auf die es viele Antworten gibt, die aber gleichzeitig noch mehr Fragen aufwirft. Gemeint sein könnte der Heimatort, das eigene Heimatland, die Wahlheimat, das Herkunftsland der Eltern, eines Elternteils, das der Großeltern oder vielleicht auch nur ob man gerade aus dem Supermarkt um die Ecke oder von der U-Bahn kommt.

Auch die Autorin Taiye Selasi bekam diese Frage mehr als nur einmal und immer wieder aufs Neue gestellt. Einen Großteil ihres Lebens konnte die in London geborene und in den USA aufgewachsene Autorin sie jedoch nicht eindeutig beantworten. In ihrem Buch „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ greift sie daher den inneren und äußeren Konflikt zwischen Nationalität, Herkunft und Identität auf und rahmt ihre eigenen Erfahrungen in eine emotionale Familiengeschichte. Hier erfahren Sie für Ihren Lesekreis spannende Hintergründe zum Buch und interessante Einblicke in das Leben der Autorin Taiye Selasi.

Taiye Selasi ist keine Kosmopolitin, sondern Afropolitin

Ein fremd klingender Name, eine dunkle Hautfarbe, geboren in London. Hinzu kommt ein amerikanischer Akzent und ein Abschluss im Studiengang „Internationale Beziehungen.“ Die Mutter ist nigerianisch, aber auch ein bisschen schottisch, der Vater stammt aus Ghana. Die Mutter ist Kinderärztin und der Vater Chirurg. Sie selbst ist wohnhaft in New York und Rom, Fotografin und Schriftstellerin. Man könnte meinen, Taiye Selasi ist der Inbegriff einer Kosmopolitin – kontinentübergreifend verwurzelt, in der ganzen Welt daheim. Doch Taiye Selasi nennt sich selbst nicht Kosmopolitin. In ihren Augen sei sie „Afropolitan“.

Den Begriff hat sie selbst geprägt und versteht unter „Afropolitan“ keineswegs das Gleiche wie unter „Cosmopolitan“. Taiye Selasi ist keine Weltbürgerin, sondern Weltafrikanerin. Das Wort bezeichnet dabei die jüngste Generation afrikanischer Auswanderer. Afropolitans, das sind gebildete, erfolgreiche Afrikaner, die den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft haben, die gelernt haben, sich anzupassen und für die der Begriff Heimat ein komplexes Meer aus Emotionen, Traditionen, Erziehung und eigener Identität darstellt.

„Diese neue demographische Gruppe“, schreibt Selasi in ihrem Essay „Bye Bye Babar“, „verstreut über Brixton, Bethesda, Boston, Berlin – ist im 21. Jahrhundert erwachsen geworden und definiert ganz neu, was afrikanisch sein bedeutet. Wo unsere Eltern als Ärzte, Anwälte, Bankangestellte oder Ingenieure die Sicherheit traditioneller Berufe suchten, wagen wir uns in Felder wie Medien, Politik, Musik, Risikokapital oder Design vor. Wir haben auch keine Hemmungen, in unserer Arbeit unsere afrikanischen Einflüsse zu zeigen (soweit es sie gibt).“

Der Afropolit als Form der Identität prägt eine ganze Generation von Afrikanern des 21. Jahrhunderts.

„Wenn der Afropolit eines weiß, dann, dass nichts ganz schwarz oder weiß ist; dass etwas zu »sein« davon abhängt, ob man sich sicher ist, es zu sein. Nigerianisch zu »sein« heißt, einer leidenschaftlichen Nation anzugehören; Yoruba zu sein heißt, das Erbe einer spirituellen Tiefe zu tragen; amerikanisch zu sein heißt, sich auf eine kulturelle Bandbreite zu berufen; britisch zu sein heißt, schnell die Zollkontrolle passieren zu können. Zumindest heißt es das für mich – und das ist das Privileg der Afropoliten. Die Komplexität zu akzeptieren, wie es die meisten afrikanischen Kulturen tun, das gelingt auch diesen verlorenen Kindern. Ohne dieses multi-dimensionale Denken könnten wir uns selbst nicht verstehen“, beschreibt es Selasi in dem Essay.

Heimatlos und zersplittert – Die Geschichte in Selasis Buch „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“

„Heimatlos“ fühle sie sich, sagte Taiye Selasi einmal in einem Interview. Zersplittert in viele kleine Teile, die zusammengesetzt immer wieder ein neues Ganzes ergeben. Zersplittert ist auch die Welt von Chirurg Kwaku Sai, von Mutter Fola Sai und deren Kindern Olu, Kehinde, Taiwo und Sadie, die die Protagonisten in Selasis Buch "Diese Dinge geschehen nicht einfach so" sind. Die Eheleute Sai kamen einst aus Nigeria und Ghana in die USA, um sich und ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Mit Ehrgeiz und Intellekt erarbeiten sie sich den Status als Vorzeigemigranten und schaffen den gesellschaftlichen Aufstieg. Sie verkörpern das Bildungsbürgertum und den Esprit des  American Dreams.

Vater Kwaku, Stipendiat an der John Hopkins Universität, findet seine Passion in der Medizin und ihm gelingt der Sprung zum renommierten Chirurgen in einer Klinik in Boston. Seine nigerianische Frau Fola entscheidet sich hingegen gegen eine Karriere als Anwältin und für ein Leben als Mutter. Der Ehrgeiz der Eheleute Sai macht auch vor deren Erziehung keinen Halt. Ihre vier Kinder brillieren in Musik, Kunst und Tanz, bringen Bestleistung in jederlei Hinsicht. Es kann nur nach oben gehen, nicht nach unten.

Wenn Sie neugierig sind, ob diese Glücksstähne anhält und wie sich das Leben der Familie weiterentwickelt, dann lesen Sie hier weiter:

Genau diese Bilderbuchfamilie wird in Selasis Buch „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ durch einen schweren Schicksalsschlag erschüttert: Schien das Leben der Familie Sai in einem Moment noch perfekt, fällt die Idylle wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Während Kwaku eben noch ein erfolgreicher Chirurg war, ist er plötzlich arbeitslos:

Bei einer Operation stirbt eine wohlhabende und einflussreiche Patientin auf seinem Tisch. Kwaku wird zum Verantwortlichen gemacht und fristlos entlassen.

Ob der ganze Vorgang berechtigt ist oder ob Rassismus eine ebenfalls eine Rolle spielt, bleibt offen. Jedenfalls wirkt die ganze Geschichte nach Selasi inszeniert und Kwaku scheint Opfer einer Intrige zu sein.

Doch mit dem Verlust seines Jobs verliert Kwaku auch sein Selbstvertrauen. Seinen einzigen Ausweg sieht der Vater in der Flucht zurück in sein Herkunftsland Ghana. Ab diesem Tag beginnt allerdings die komplette Fassade der Familie zu bröckeln: mit Kwaku bricht ein Teil der Familie plötzlich weg und hinterlässt ein unvollständiges Mosaik.

Während Kwaku sich physisch von seiner Familie entfremdet, vollzieht sich dieser Prozess seitens der Mutter zunächst emotional von ihren Kindern. Leistungsdruck und das Bestreben nach außen hin weiter als Familie perfekt zu erscheinen, treibt tiefe Furchen in die Familie.

Sie fragen sich, ob es noch schlimmer kommen kann?

Laut der Familie schon, denn tiefe Zweifel und Unsicherheiten beginnen sich in den Köpfen der Familie zu verankern: Wenn der Erfolg, die Leistung, die Karriere und der Status wegfallen, was bleibt dann noch von uns übrig? Wer sind wir überhaupt und wo kommen wir her?

Wo kommen wir her? – Ihnen und ihrem Lesekreis wird auffallen, dass sich diese Frage wie ein roter Faden durch Selasis Roman zieht. Sobald ein Puzzleteil verloren geht, wird das große Ganze plötzlich abstrakt und unkenntlich.

Die Kinder verstreuen sich über die ganze Welt: Sie ziehen nach Ghana, London, Paris. Nur Sadie bleibt daheim. Daheim, also dort, wo sie groß geworden ist. Dass sie dort jedoch nicht daheim ist und genauso wenig ankommen, als auch sein kann, wie sie möchte, muss die Jüngste der vier Geschwister schnell feststellen.

Schnell werden auch Sie sich fragen, wie sich diese Unvollkommenheit bei der jungen Frau bemerkbar macht. – Sie verrät es uns:

Sadie fühlt sich lediglich auf Toiletten beschützt und sicher. Wie in einem Kokon.

Immer wenn sie nicht die richtigen Worte findet, sucht sie danach in ihrem Hals. – Sie leidet unter Bulimie. Doch auch den anderen in der Fremde geht es ähnlich. Egal, wie oft sie umziehen, nirgendwo fühlen sie sich daheim. Dieses Gefühl gipfelt in sexuellem Missbrauch und einem Suizidversuch.

Die Sais leiden heimlich, an einem Ort, der weit genug weg erscheint, sich von den nur schwer zu ertragenden Erinnerungen zu distanzieren. Weit weg von daheim. Schmerzlich müssen sie alle feststellen: daheim ist kein Ort, daheim ist ein Gefühl. Das fehlende Puzzleteil, das sich der Vater in den Reisekoffer gepackt hat, lässt sich nicht so einfach ersetzen: zu eckig, zu speziell, zu bunt. Stattdessen füllen persönliches Leid und ein Gefühl der Unvollkommenheit die Lücke der Kinder und der Mutter. Sie sind fühlen sich verloren zwischen den Welten.

Der Tod bringt die Familie wieder zusammen

Das Märchen vom Aufsteiger, von einem, der es geschafft hat, verwandelt sich scharf und kompromisslos in eine Tragödie. Die Tragik der zerrütteten Familie gipfelt schließlich im Tod Kwakus.

Er stirbt in Ghana, im Garten eines Hauses, das er selbst erbaut hat – sein letztes Zuhause. Vielleicht war er dort auch daheim.

Fest steht jedenfalls, dass er an einem Herzinfarkt starb, den Kwaku kommen sah. Denn viele kleine Brüche in seinem Herzen haben es nach und nach zerstört. Die Erinnerungen – die schönen sowie die schmerzlichen – strömen durch Kwaku hindurch, dann ist er tot. Die Todesnachricht verbreitet sich schnell und passiert innerhalb von Sekunden Ländergrenzen. Egal an welchem Ort sich die Familienmitglieder gerade befinden, die Nachricht ereilt sie zügig und sie reisen nach Afrika.

Somit vereint gerade der Tod des Vaters und Ehemanns die zerbrochene Familie wieder in Ghana und bringt die Afropolitans dorthin, wo ihre Wurzeln liegen.

Jenes aufrührende Wiedersehen in Ghana und die Rückkehr in das Land ihrer wurzeln, wühlen nicht nur die Protagonisten auf. Hautnah werden Sie und Ihr Lesekreis spüren können,  wie viel Leid und Schmerz jeder Einzelne von ihnen über Jahre hinweg ertragen musste.

Doch wie geht es weiter?

Ein Geflecht aus Familiengeheimnissen und Identitätskrisen liegt nun vor Familie Sai und wartet darauf, wie ein Wollknäuel aufgewickelt zu werden. Neben Trauer, Wut und Ratlosigkeit werden auch deren innerste Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Gemeinsamkeit und Verständnis gestillt.

Und plötzlich liegt in der Tragik auch ein Hauch von Hoffnung. Es ist ein bisschen so, als würde man anfangen, zu verstehen: Diese Dinge geschehen nicht einfach so. Selasi gibt Ihnen so einen gefühlvollen Eindruck in das Innerste einer afropolitischen Familie und erklärt sensibel, dass alles einen gewissen Grund hat.

Feine Nuancen zwischen Assimilation und Integration

Welchen Grund alles hat, genau dem möchten die überlebenden Protagonisten auf den Grund gehen. Endlich – nach all den Jahren der Verschwiegenheit und der Anpassung, scheint es so als würden sich die Figuren nach der unbekleideten Wahrheit sehnen.

Doch statt der einen Wahrheit, werden sie viele Wahrheiten, viele kleine Geschichten und viele neue Puzzleteile finden, die sich mal besser mal schlechter in das bestehende Bild der Familie einfügen. Das verlorene Stück Identität taucht allerdings nicht einfach so auf, sondern wird mühsam zusammengesammelt. Denn selbst bei der Selbstfindung gilt: nichts im Leben ist umsonst.

Wieder einmal müssen die Figuren lernen, dass ihnen Anstrengung und Eifer abverlangt werden und sie selbst aktiv werden müssen. Selasis Roman entledigt sich der Illusion, die EINE wahre Identität irgendwann zu finden. – Irgendwann durch eine Tür zu gehen, die Schuhe auszuziehen, den Mantel an den Haken zu hängen, im Sessel zu sitzen, die Füße hochzulegen und zu denken: Hier bin ich daheim.

Vielmehr müssen die Figuren versuchen das Chaos zu ordnen. Die feinen Nuancen zwischen Assimilation und Integration zu spüren, das Hybride lieben zu lernen. „Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, an denen ich mich zu Hause fühle“, sagt Selasi selbst. „Aber es gibt nur wenige, wo ich mich nicht zu Hause fühle.“

Afrika ist mehr als Safari und Ethno-Kitsch

Neben der Suche nach der eigenen Identität bietet Selasis Roman auch neue Perspektiven von Afrika. Wir sprechen manchmal von Afrika als sei es ein einziges Land, dabei ist Afrika ein Kontinent mit einer Fläche von 30,2 Millionen Quadratkilometern. Afrika selbst ist ein Sinnbild für Vielfalt: Regenwälder, Wüste, Savanne, 2000 verschiedene Sprachen und das Vorhandensein aller Weltreligionen, vereint unter dem Schirmbegriff „Afrika“.

Selasis Buch zeigt Ihnen und Ihrem Lesekreis daher eindrucksvoll: Afrika ist mehr als Safari und Frauen mit bunten Kleidern!

Die Außenwahrnehmung Afrikas entspricht oftmals nicht dem Empfinden der Afrikaner selbst. Vielleicht braucht es deshalb einen Begriff wie „Afropolitan“. Um den Afrikanern ihre Selbstbestimmung darüber, wer sie sind, wieder zurückzugeben. Um Afrikanern zu ermöglichen, ihr eigenes Afrika zu kreieren.

„Ich denke – und hoffe- dass der Begriff „Afropolitan“ bedeutet, dass wir die Diskussion über afrikanische Identitäten erweitern müssen, um die Vorstellung vom afrikanischen Kontinent und den Identitäten, die dieser Ort hervorbringt“, erklärt Selasi in einem Interview.

Ein Vorwurf, den sich Afrika oft gefallen lassen muss, ist, dass es wenig infrastrukturell und wirtschaftlich ausgeprägt sei und dass es dem Kontinent an Fortschritt fehle. Doch wenn Kulturvermittlung einfach wäre, wäre ein Dialog schon wieder überflüssig. Umso schöner ist es zu lesen wie Taiye Selasi mit offener und Einblick gebender Manier ihre Sicht der Dinge nach außen trägt und dazu anhält Stereotypen zu hinterfragen. Vielleicht ertappen Sie sich ja auch selbst trotz aller gewollten Toleranz und Unvoreingenommenheit dabei, Afrika mit Ethno-Kitsch und Hungersnöten zu assoziieren.

Und obgleich wir dieses Phänomen doch nur allzu gut in unserer eigenen Gesellschaft kennen und für Gleichberechtigung und Frauenquoten kämpfen, schaffen wir es manchmal nicht, die Parallelen zu erkennen. So betrachtet wirkt es fast schon zynisch, dass ein begabter und eifriger Mann einzig und allein aufgrund seiner Herkunft den Balanceakt zwischen Aufstieg und Fall meistern muss, während andere auf befestigten Brücken und angeseilt die Macht über das Schicksal einer ganzen Familie haben dürfen.

Ein mögliche Frage, die Sie sich im Lesekreis stellen können: Bedeutet ihrer Meinung nach Afropolit zu sein, dass es gar nicht mehr so sehr darum geht, afrikanisch zu sein? – Genau das bedeutet nach Selasi. Denn es scheitert bereits an einer Definition: Den einen Afrikaner gibt es nicht, ebenso wenig wie die eine Wahrheit oder die eine Identität. Afropolit zu sein, das ist eine Mischung aus vielen kleinen Puzzleteilen, die beliebig zusammengesteckt werden können. Afropolit zu sein, bedeutet, sich neu zu erfinden, aus dem, was man hat. Es heißt aber auch, dass man nicht mehr davor zurückschrecken muss, mehr zu wollen als das, was man bei der Geburt bereits erhalten hat. Afropolit zu sein, bedeutet auch auf einem post-nationalen Fundament aufzubauen und zu wachsen.

Wachsen, das möchte auch Taiye Selasi, wie sie im Interview erklärt: „Wenn ich also keine Wurzeln habe, ist das kein Problem. Ich habe herausgefunden, wie man als Baum im freien Raum wachsen kann.“

Ein Trampelpfad durch das Identitäten-Labyrinth

Mit dem zaghaften Versuch der Protagonisten sich im Identitäten-Labyrinth zurechtzufinden, wird spürbar, dass der Titel von Taiye Selasis Buch „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ auf vielen Ebenen Bezug auf die Geschichte nimmt. Nichts passiert einfach nur so.

„Geschieht alles in der Welt aus gutem Grund? Vielleicht. Aber in meinem Roman gibt es nicht für alles einen guten Grund. Ich bin nicht so schöpferisch wie Gott. Aber ich gebe mein Bestes“, sagt Selasi im Interview.

Sie werden es mit Ihrem Lesekreis vielleicht bemerken: Ist man anfangs oft noch ein wenig ratlos, wohin ein Erzählfaden führen soll, wird immer mehr klar, dass auch Sie sich allmählich im Dickicht aus Fragen und Zweifeln zurechtfinden und einen Trampelpfad finden, dem Sie sicher und einfach folgen können. Selasi überlässt nichts dem Zufall und doch überlässt sie die größtmögliche Macht dem Schicksal. Fast nie wird klar, wie Selasi das Wort „Heimweh“ umschreiben würde und ob es für sie so etwas wie „Fernweh“ gibt.

Es wäre künstlich, wenn am Ende alle Wunden geheilt und alle Löcher gestopft wären. Selasis Geschichte kommt ohne klassisches Happy-End aus. Es ist auch schwer vorstellbar, wie so ein Happy-End überhaupt aussehen sollte. Stattdessen müssen Sie sich mit einem Gefühl von dezenter Erleichterung und zumindest teilweiser Aufgeklärtheit zufriedengeben. Der „Aufbruch“, wie er im Roman übertitelt ist, ist der Beginn eines neuen Abschnittes auch für die Figuren.

Es geht darum, Unausgesprochenes gesagt zu haben und Dinge, die sich ins Gehirn gebrannt haben, endlich zu archivieren, nicht jedoch zu vergessen. Es gibt den Figuren einen gewissen Frieden, der gerade so reicht, um aus der Rückkehr einen Aufbruch zu machen. Wohin der Aufbruch geht, bleibt jedoch ungewiss. Ohnehin ist der Aufbruch zu metaphorisch, um einen tatsächlichen Ortswechsel zu suggerieren. Aus dem Getrieben sein wird ein Sich-Treiben-Lassen. Es läge den Afropoliten fern, sich mit dem neu gewonnen Wissen um die eigene Identität plötzlich niederzulassen und sesshaft zu werden. Stattdessen können sie nun umso besser in der Welt zu Hause sein, in der Gewissheit und das Daheim sein immer nur ein Gefühl ist.


Tauchen Sie mit ihrem Lesekreis also in die spannende Welt aus Taiye Selasis Roman ein und Fragen auch Sie sich, was Heimat und die eigene Kultur wirklich bedeutet.

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