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Daniel Kehlmann, Autor, Mann

Must Knows über Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt“

Daniel Kehlmann hat mit seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ nicht nur ein weltweites Millionenpublikum begeistert, sondern sich auch in die internationalen Bestsellerlisten geschrieben – und gilt seither als einer der bekanntesten Autoren Deutschlands. Nicht nur, dass der Roman in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde. Er gilt gleichwohl als einer der bedeutendsten Romane der Nachkriegszeit. Tatsächlich wurde die Erzählung mit Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß als Hauptfiguren auch für das deutsche Kinopublikum verfilmt. Ein Grund mehr, einmal tiefer in die Arbeit des Erfolgsautors sowie die Entstehungsgeschichte des Buches einzutauchen.

 

Im Folgenden stellen wir Ihnen den Autor Daniel Kehlmann einmal etwas genauer vor. Zusätzlich möchten wir herausfinden, was den ganz speziellen Erfolg von „Die Vermessung der Welt“ ausmacht und bieten Ihnen direkt mögliche Diskussionsfragen und Analyseansätze für Ihren nächsten Lesekreis:


Die kreative Welt des Daniel Kehlmann

München PanoramaWer genau ist Daniel Kehlmann, wo kommt er her und wie hat sein bisheriger Lebensweg den Autor geprägt? 1975 in München geboren, ist Daniel Kehlmann der Sohn der Schauspielerin Dagmar Mettler und des Regisseurs Michael Kehlmann. Daniel Kehlmann war somit schon in seiner Kindheit von Kreativität umgeben. Als er 6 Jahre alt war, zog die Familie nach Wien. Nach dem Besuch einer Jesuitenschule studierte er an der Universität Wien. Seine Fächer? Germanistik und Philosophie. Ein Leben für die Bücher: Daniel Kehlmann wusste schon früh, dass er einmal Autor werden möchte und legte seine Lebensentscheidungen danach aus. Tatsächlich erschien bereits 1997 sein erster Roman. „Beerholms Vorstellung“ wurde von der Kritik wohlwollend aufgenommen. 2005 erschien dann „Die Vermessung der Welt“ – und machte den damals Einunddreißigjährigen einem weltweiten Millionenpublikum bekannt. Neben seiner Arbeit als Schriftsteller übte er immer wieder eine Dozententätigkeit aus. Sein Schwerpunkt lag dabei auf Poetik und brachte ihm Lehrstühle in Städten wie Mainz, Wiesbaden und auch Göttingen. Über die Jahre wurde der deutsche Autor für seine herausragende Arbeit mit diversen Schriftsteller-Preisen ausgezeichnet: vom Candide-Preis bis hin zum Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mittlerweile lebt Daniel Kehlmann als freier Autor abwechselnd in Wien und Berlin. 

 

Neben „Die Vermessung der Welt“ war auch bereits sein Vorgänger „Ich und Kaminski“ international erfolgreich – und ebnete den Weg für den darauffolgenden Weltbestseller. Was ist das Besondere an Daniel Kehlmanns Büchern? Was zeichnet den Autor aus?

 

So schreibt nur ein Erfolgsautor: Daniel Kehlmanns Schreibweise und Stilmittel

Hand, Computer, schreibenHält man einen Roman Daniel Kehlmanns in den Händen, weiß man sofort, dass es eines seiner Werke sein muss. Woran man das bemerkt? Daniel Kehlmanns Erzählstil lebt vor allem von einer gewissen Ironie, die sich durch seine gesamten Werke zieht. Dabei behält der Autor aber immer eine klare Sprache bei. Auch lässt sich eine gewisse Zielstrebigkeit herauslesen. Dazu bedient sich Daniel Kehlmann abwechselnd des auktorialen Erzählers, wie bei „Die Vermessung der Welt“ sowie des Ich-Erzählers. Dabei schreckt er selbst vor schriftstellerischen Experimenten nicht zurück. So lässt er beispielsweise in seinem ersten Roman „Beerholms Vorstellung“ den Ich-Erzähler sterben. Auch in seinem ersten internationalen Erfolgsroman „Ich und Kaminski“ verwendet er den Ich-Erzähler, lässt ihn aber so unsympathisch wirken, dass die Leser keinerlei Möglichkeit haben, sich damit zu identifizieren. Je nach Roman passt sich Daniel Kehlmann auch seinem Stoff an: So verzichtet er bei „Die Vermessung der Welt“ zum Beispiel gänzlich auf die direkte Rede. Stattdessen werden alle Dialoge in der indirekten Rede wiedergegeben, um die historischen Geschehnisse möglichst authentisch wiedergeben zu können.

 

Fest steht: Daniel Kehlmanns Bücher sind von einem experimentellen und einzigartigen Schreibstil geprägt. So einzigartig, dass er auch im Ausland als bedeutender Vertreter der deutschen Gegenwartsliteratur wahrgenommen wird. Was beschäftigt ihn? Gibt es etwa bestimmte Motive und Themen, die der Autor immer wieder aufgreift?

 

Welche Themen finden sich in Daniel Kehlmanns Büchern wieder?

Daniel Kehlmann hat einmal selbst in einem Interview über seine Arbeit gesagt: „Ich wollte schreiben wie ein verrückt gewordener Historiker.“ Tatsächlich legt er bei der Entstehung seiner Bücher äußerst großen Wert auf geschichtliche Daten und Fakten. Trotzdem ist beispielsweise „Die Vermessung der Welt“ kein historischer Roman. Vielmehr widmet er sich dabei dem Thema, wie Deutschland im Ausland wahrgenommen wird. Was es heißt, deutsch zu sein. Und das immer mit einem gewissen Augenzwinkern. Ein weiteres Lieblingsthema, das er sowohl in „Ich und Kaminski“ als auch „Die Vermessung der Welt“ behandelt ist das Altern. Doch Daniel Kehlmann fürchtet sich nicht davor. Vielmehr interessiert ihn die Tatsache an sich und wie damit in der Gesellschaft umgegangen wird.

 

Nun wissen wir, wie der Autor aufgewachsen ist und was ihn geprägt hat. Wir wissen auch, wie er arbeitet und welche Themen ihm wichtig sind. Widmen wir uns nun Daniel Kehlmanns bisher größtem Erfolg. Was ist es genau, was das Besondere an „Die Vermessung der Welt“ ausmacht?

 

Die Vermessung der Welt“ als Weltbestseller

Kehlmann, Die Entdeckung der Welt, Buch2005 erschienen, hat der Roman „Die Vermessung der Welt“ sogleich die ganze Literaturwelt in seinen Bann gezogen. Mittlerweile wurde der Bestseller mehr als 6 Millionen Mal verkauft. In Deutschland wanderten bis heute 2,3 Millionen Exemplare über die Ladentheke. Wie lässt sich dieser Erfolg erklären? Es ist bekannt, dass Daniel Kehlmann selbst vom Riesenerfolg seines Romans überrascht gewesen sein soll. Allein schon, „Die Vermessung der Welt“ als Buch zu kategorisieren, fällt schwer. So bezeichnet ihn die ZEIT etwa als „eine Satire auf die deutsche Klassik, ein Abenteuerroman, ein Abbild des Bürgertums im beginnenden 19. Jahrhundert, eine Studie über Opfer und Moral der Wissenschaft, das Portrait zweier alternder Männer“. Der britische The Guardian beschrieb „Die Vermessung der Welt“ schlichtweg als „eine literarische Sensation“. Daniel Kehlmann ordnet seinen Roman selbst als „Gegenwartsroman [ein], der in der Vergangenheit spielt“. Fest steht: Es handelt sich hierbei um einen Roman, der zwar das Leben zweier historischer Figuren schildert, allerdings als fiktives Szenario: Die beiden Protagonisten – Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß – lassen sich zwar historisch in die gleiche Epoche einordnen. Doch im wahren Leben hatten sie nicht den intensiven Umgang miteinander, wie er im Roman dargestellt wird. Ganz im Sinne Daniel Kehlmanns, der sich während seines Studiums mit Philosophie und Germanistik auseinandergesetzt hatte, kann man „Die Vermessung der Welt“ aufgrund des Aufeinandertreffens der verschiedenen Weltanschauungen als philosophischen Roman bezeichnen. 

Wie kam Daniel Kehlmann aber ausgerechnet darauf, „Die Vermessung der Welt“ dem Leben von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß zu widmen? Was faszinierte ihn so sehr an den beiden historischen Persönlichkeiten, dass er ihnen ein ganzes Buch widmete? Mit der Person Carl Friedrich Gauß kam er bereits zu Schulzeiten in Berührung. Im Mathematikunterricht. Ein paar Jahre später las er ein Buch über die Geschichte der Geometrie und war sofort wieder begeistert. Laut Kehlmann selbst entdeckte er erst, welche Bedeutung die Arbeit des Naturforschers Alexander von Humboldt hatte, als er eine Zeit lang in Mexico City lebte. Er war während eines Stipendiums dort und wusste nach eigenen Angaben zuvor nicht viel darüber, welch großen Einfluss Humboldt hatte. Der ideale Stoff für eine Art Doppelbiografie, wenn es nach Daniel Kehlmann geht – und der weltweite Erfolg gibt ihm recht.

 

Worum geht es wirklich? Lesen Sie weiter, wenn Sie nicht nur mehr über den Inhalt von „Die Vermessung der Welt“ erfahren möchten, sondern auch mögliche Diskussionsfragen und Analyseansätze für einen spannenden Austausch in Ihrem Lesekreis erhalten möchten:

 

Alexander von HumboldtDie Geschichte handelt von zwei Genies: der Naturforscher und der Mathematiker. Ihre Lebenswege werden im Roman auf eine gewisse Art und Weise nacherzählt. In sich gegenseitig abwechselnden Kapiteln wird jeweils Humboldt sowie Gauß vorgestellt. Wie bereits dargestellt ohne direkte Rede. Auch beginnt der Roman erst einmal wie ein Sachbuch, um dann mehr und mehr literarische Züge anzunehmen. Wir befinden uns in den Jahren der Weimarer Klassik, von Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Roman beginnt damit, dass sowohl Gauß als auch Humboldt zu einer Konferenz eingeladen sind: zur Tagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Im weiteren Verlauf des Romans erfahren wir immer wieder von der Korrespondenz zwischen den beiden. Der Leser erfährt, dass Gauß ursprünglich aus armen Verhältnissen stammte. Schon als Kind ist Gauß äußerst intellektuell, anders, als die anderen Kinder. Er verbringt eine einsame Kindheit und flieht in die Mathematik. Aus der Not heraus wird er ein sogenannter Landvermesser, der zuständig für das Vermessen des damaligen Königreichs Westfalen ist. Daher auch der großartige Titel „Die Vermessung der Welt“. Alexander Humboldt hingegen hatte das Glück, in eine reiche Familie hineingeboren zu sein. Auch er interessiert sich bereits als Kind für die Naturwissenschaft. Auf seinen weiten Reisen, u.a. nach Frankreich und Lateinamerika versucht er, seine eigenen Annahmen über die Natur und den Menschen zu verifizieren. Ein Beispiel dafür ist das Gift Curare, das er selbst einnimmt, ohne daran zu sterben. Im Laufe des Romans kommt es zum Treffen zwischen Gauß und Humboldt – es ergibt sich ein anregendes Gespräch über Sinn und Zukunft der Wissenschaft. Doch beide müssen irgendwann einsehen, dass sie selbst immer älter werden – und andere, jüngere Wissenschaftler, die nach ihnen kommen, ihnen den Rang ablaufen. 

 

Ein Roman, der Geschichte und Wissenschaft auf humoristische Weise zusammenfügt. Ganz im Erzählstil der Bücher Daniel Kehlmanns. Es lohnt sich, Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ möglichst ausführlich in einer Lesegruppe zu besprechen. Gerade deshalb, weil der Roman so reich an Motiven und Themen ist, können verschiedene Sichtweisen dazu beitragen, das Buch im Allgemeinen besser zu verstehen. Wir haben bereits ein paar mögliche Fragen zur Diskussion sowie Interpretationsansätze für Sie vorbereitet:

 

Mögliche Diskussionsfragen und Analyseansätze

Gruppe von Menschen diskutieren über ein BuchSehnsüchte und Schwächen, Scheitern und Erfolg – „Die Vermessung der Welt“ hält allerlei Interpretationsansätze für Ihren Lesekreis bereit. Die folgenden Fragen sollen Ihnen die Bearbeitung des Lesestoffes erleichtern:

 

Diskussionsfragen:

  • Wie empfinden Sie die geschichtliche Umsetzung der historischen Figuren?
  • Kritiker haben Kehlmann immer wieder historische Unstimmigkeiten vorgeworfen. An die Geschichtsbegeisterten unter Ihnen: Welche könnten das sein?
  • Welche Hauptthemen kristallisieren sich aus Ihrer Leseerfahrung heraus?
  • Was ist dem Autor besonders gut gelungen, was vielleicht weniger?
  • Können Sie eventuelle Gemeinsamkeiten zu weiteren Büchern Daniel Kehlmanns finden?

 

 

Sie dachten, das wären schon alle Diskussionsfragen? Keineswegs – wir haben noch viele weitere für Sie gesammelt, um Ihnen die Gruppendiskussion zu erleichtern:

  • Wie werden die Deutschen im Roman dargestellt? Ist die Darstellung gelungen oder entspricht sie vielmehr einem Klischee?
  • Wie empfinden Sie die Behandlung des Themas Alter und Tod im Roman?
  • Lassen sich Gemeinsamkeiten zu Hermann Hesses „Narziß und Goldmund“ erkennen und falls ja, welche?

 

Extratipp: Sie haben jemanden in Ihrer Literaturgruppe, der Geschichte studiert hat oder sich selbst für Wissenschaft interessiert? Dann bitten Sie ihn doch, Experte für die Diskussionsrunde zu werden und sie zu leiten. Gerade bei so großen Bestsellern wie „Die Vermessung der Welt“ kann es sich lohnen, einen Geschichtsexperten zur Seite zu haben.

 

Neben Diskussionsfragen, die eine erste Annäherung an das Romangeschehen ermöglichen, lassen sich auch verschiedene Ansätze zur Interpretation herausarbeiten. Folgende Leitmotive gilt es, näher zu betrachten:

 

Analyseansätze zur weiteren Interpretation:

Von der Wichtigkeit der Wissenschaft

Carl Friedrich GaußDer Roman spielt zur Zeit der Weimarer Klassik. Zu dieser Zeit steckte die Wissenschaft noch in ihren Kinderschuhen. Allgemein wurde sie nicht wirklich ernst genommen. Erst Größen wie Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß haben sie einem größeren Publikum bekannt gemacht – bis zu dem Punkt, als Wissenschaft als eine der höchsten Disziplinen überhaupt angesehen wurde. Dieser Wandel durchzieht sich durch den gesamten Roman und wird immer wieder sichtbar. Gleichzeitig vollzieht sich aber auch eine gewisse Entzauberung der Intelligenz. Die großen Wissenschaftler Humboldt und Gauß werden plötzlich sehr menschlich dargestellt. Versuchen Sie in Ihrem Lesekreis, einen besonderen Fokus auf diesen Aspekt zu legen – eine Lesart, die für viel neues Wissen sorgt.

 

Das Altern

Wie wir bereits zu Beginn mitbekommen haben, übt die Tatsache des Alterns eine Faszination auf Daniel Kehlmann aus. Vor allem in „Die Vermessung der Welt“ tritt das Thema prominent in Erscheinung. Und so beschäftigen sich auch die Hauptfiguren selbst mit den Themen Tod und Alter. Das Motiv des Todes taucht immer wieder vereinzelt in der Geschichte auf. 

 

Extratipp: Versuchen Sie bei der Lektüre bereits die einzelnen Schlüsselszenen zu markieren und sich zu überlegen, für was jeweils die einzelnen Todesfälle stehen können.

 

Die Vermessung der Welt” ist ein Roman, der für reichlich Gesprächsstoff sorgt. Ist es nicht ein schönes Gefühl, wenn man nicht nur das Buch gelesen hat, sondern auch noch allerlei Hintergrundinformationen in der Diskussionsrunde Ihres Lesekreises mit einfließen lassen kann? Oftmals geben uns insbesondere die Lebenswege und Motive der Autoren weiter Aufschluss über die Thematik des Buches – und erleichtern somit das Leseerlebnis. Nun wissen Sie nicht nur mehr über die Person Daniel Kehlmann, sondern können auch allerhand Neues zu Ihrer Diskussionsrunde über „Die Vermessung der Welt“ beitragen. Und auch, wenn Sie in Ihrem Lesekreis bisher den Weltbestseller vielleicht nicht auf Ihrer Liste hatten: Nun wissen Sie, warum es sich unbedingt lohnt, „Die Vermessung der Welt“ in Ihrer Lesegruppe zu lesen. Und warum Daniel Kehlmann zu den Bestsellerautoren Deutschlands gehört. Viel Freude beim Austausch!

 

 

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