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„In Zeiten des abnehmenden Lichts“ – Die Geschichte der DDR erzählt von Erfolgsautor Eugen Ruge in einem ergreifenden Familienroman

Die Zeit der DDR ist immer wieder ein großes Thema in der deutschen Literatur – doch wohl kaum ein anderer hat das alltägliche Leben so lebendig aufgeschrieben wie der Autor Eugen Ruge in seinem Erfolgsroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Darin erfahren wir die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen. Und somit ist es kein Zufall, dass der Familienroman autobiografische Züge aus dem Leben Eugen Ruges enthält. Ein beklemmendes und nachdenkliches, aber auch lehrreiches Buch, das in jedem Lesekreis diskutiert werden sollte.

Was genau macht die Faszination um „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ aus? Wie konnte das Buch gleichsam Kritiker und Leser in seinen Bann ziehen? Erfahren Sie mehr über Eugen Ruge und sein Schaffen als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der letzten Jahre:

Eugen Ruge – Leben und Werk des Erfolgsschriftstellers

Das Buch mit dem beinahe schon poetischen Titel „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ hat Eugen Ruge einen festen Platz in der deutschen Literaturszene gesichert. In seinem früheren Leben war der 65-Jährige Mathematiker mit Diplom von der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, damals noch am Zentralinstitut für Physik der Erde in der DDR. Bis er sich durch das Schreiben von Theaterstücken, Hörspielen, Übersetzungen und Dokumentarfilmen langsam aber sicher an das Schreiben von Romanen herangetastet hat. Und schließlich mit 57 Jahren für seinen Debüt- und Familienroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ mit dem Deutschen Buchpreis geehrt wurde – eine der wichtigsten Auszeichnungen der Buchbranche. Die Jury ehrte den deutschen Autor für seine „raffinierte Komposition“, sowie seine „starke Unterhaltsamkeit. Eugen Ruge schafft es gleichwohl, mit viel Witz und Sinn für Humor aus dieser für viele Familien überaus schwierige Zeit zu erzählen. Dem Schriftsteller werden eine ganz besonders detaillierte Beobachtungsgabe, sowie eine klare Erzählsprache zugeschrieben. Tatsächlich schaffte es der Gesellschaftsroman auf Anhieb auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. 2011 veröffentlicht, wurde der Familienroman anschließend von Regisseur Matti Geschonneck für das deutsche Kino verfilmt und war auch im Ausland in mehr als 28 Ländern erfolgreich.

Wie Eugen Ruge auf die Idee für seinen Erstlingsroman kam? Tatsächlich begann er selbst eines Tages damit, seine eigene Familiengeschichte zu erforschen. Dieses Vorhaben hat den deutschen Autor nicht nur nach Russland, sondern auch nach Mexiko geführt. Immer auf den Spuren seiner Großeltern. Um mehr darüber zu erfahren, was damals geschehen ist. Eine Frage, die viele DDR-Familien beschäftigte und auch noch immer beschäftigt. Nach seinem Überraschungserfolg blieb Eugen Ruge beim Verfassen von Romanen. Sein zuletzt erschienenes Werk heißt „Follower“ und handelt erneut von Umwälzungen in der Gesellschaft. Diesmal aber von denen in der digitalen Welt und wie sie die aktuelle und kommende Generation prägen.

Extratipp: Bevor Sie sich an die gemeinsame Lektüre von „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ machen, kann es sich lohnen, anhand von einem Kurzreferat die historischen Ereignisse zu Zeiten der DDR noch einmal aufzufrischen. Vielleicht haben Sie einen Historiker oder Geschichtslehrer unter den Teilnehmern Ihres Literaturkreises? Oder einen Freiwilligen, der sich für alle noch einmal in das Thema einarbeiten möchte?

Nun wissen Sie bereits mehr über das Wirken und Schaffen Eugen Ruges. Lesen Sie weiter, wenn Sie erfahren möchten, warum „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ in keinem Literaturkreis fehlen sollte:

„In Zeiten des abnehmenden Lichts“ als Roman über das Leben in der DDR

Die ZEIT hat es als „DDR-Buddenbrooks-Roman“ bezeichnet, die New York Times als „pulsierendes, vibrierendes, aufregend lebendiges Werk von enormer gestalterischer Phantasie“ – nicht umsonst ist „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ eines der bedeutendsten Werke der deutschen Literaturszene in den letzten Jahren. Ob Geschichtsroman, Familienroman oder Gesellschaftsroman – das Werk lässt sich nicht eindeutig kategorisieren und genau das macht den besonderen Reiz des Romans aus. Die Handlung selbst spielt in den Jahren zwischen 1952 und 2001. Es gibt einen auktorialen Erzähler, es werden aber auch immer wieder die Erzählperspektiven gewechselt. Bei „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ handelt sich demnach um einen sogenannten Montageroman. Denn das kann er, der jahrelanger Verfasser von Bühnentexten. Mithilfe von dramaturgischen Elementen wie Voraus- und Rückblenden kommen nicht nur so gut wie alle Familienmitglieder über Generationen hinweg zu Wort, der Leser erfährt auch die Beweggründe und Ansichten der verschiedenen Protagonisten. Das daraus resultierende schnelle Erzähltempo und die Dynamik sind passend angelegt für eine Familiensaga von dieser Dimension – und ziehen den Leser trotz seines Umfangs immer mehr in seinen Bann.

Lesen Sie jetzt weiter, wenn Sie bereits Einzelheiten zum Romangeschehen erfahren möchten. Aber aufgepasst: Wenn Sie selbst die Lektüreerfahrung machen und sich auch die Überraschungen erhalten möchten, sollten Sie zum nächsten Paragrafen springen.

„In Zeiten des abnehmenden Lichts“ handelt von der Geschichte einer Familie, die angesichts des Lebens im Kommunismus in der DDR gespalten ist. Die einen sind dafür, andere wollen fliehen. So auch der junge Alexander Umnitzer, der in der DDR aufgewachsen ist. Seine Großeltern hingegen, die zuvor im mexikanischen Exil waren, sind überzeugte Kommunisten. Auch sein Vater, Kurt Umnitzer, der das sowjetische Arbeitslager überlebt hatte, steht hinter der kommunistischen Idee. Alexander Umnitzer gelingt es nur Tage vor dem Fall der Mauer schließlich zu fliehen. Ist der Zerfall der Familie unausweichlich? Neben dem konkreten Beispiel dieser Familie lässt sich „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ gar als Deutschlandroman bezeichnen – und übt somit eine ganz besondere Faszination aus. Regt es doch nicht nur Diskussionen an, sondern auch die Suche nach der Vergangenheit und der eigenen Familiengeschichte.

Extratipp: Da es sich hierbei insgesamt um das Leben von sechs Personen handelt und die Zeitspanne ganze vier Generationen umfasst, kann es sich anbieten, schon während der Lektüre eine Liste mit Notizen anzufertigen. So haben Sie alle Informationen direkt zur Hand und sind bestens vorbereitet für die gemeinsame Diskussion im Lesekreis.

Wir wissen bereits, dass der Familienroman auf den autobiografischen Erlebnissen von Eugen Ruge selbst basiert. Doch welche sind das genau und wie werden sie im Roman umgesetzt? Wir haben für Sie einmal hinter die Kulissen geblickt:

Autobiografische Züge im Werk von Eugen Ruge

Tatsächlich gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen der Familiengeschichte im Roman und Eugen Ruges eigener Familiengeschichte. Nicht nur Zeiten, Orte und Geschehnisse, auch viele Figuren stammen aus der eigenen Autobiografie des Autors. So lässt sich die Figur des Alexander Umnitzers mit Eugen Ruge gleichsetzen. Auch im wahren Leben ist der junge Schriftsteller in der DDR aufgewachsen, nachdem er 1954 in der Sowjetunion geboren war. Zusammen mit seiner Mutter und seinem Vater war er in die DDR übergesiedelt. Im Roman wird die Mutter als Irina Umnitzer vorgestellt, der Vater als Kurt Umnitzer, der im wahren Leben der Historiker Wolfang Ruge gewesen sein soll. Ein Befürworter des Sozialismus. Auch ist Eugen Ruge selbst wie der Protagonist Alexander Umnitzer aus der DDR geflohen. Allerdings bereits 1988 und nicht erst 1989, wie es im Roman geschieht. Eugen Ruges Großvater wie Vater haben die Veröffentlichung von „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ nicht mehr zu Lebzeiten mitbekommen. In einem Interview mit dem SPIEGEL sagt Eugen Ruge: „Die einzelnen Geschichten in meinem Roman sind hundertprozentig erfunden, aber ich habe sie aus biografischem Material geformt.“ Er ergänzt, dass er wohl erst nach dem Tod der anderen Familienmitglieder den Stoff der eigenen Geschichte überhaupt erarbeiten konnte. Anschließend an seinen Erfolgsroman hat er 2012 die Erinnerungen seines Vaters herausgegeben: Wolfgang Ruges „Gelobtes Land: Meine Jahre in Stalins Sowjetunion. Heute lebt der Erfolgsautor mit seinen vier Kindern abwechselnd immer noch in Berlin und auf Rügen.

Extratipp: Gerade bei historischen Romanen kann es sich anbieten, die Literaturverfilmung zu einem weiteren Verständnis hinzuzuziehen. Wie wäre es also mit einem gemeinsamen Filmeabend? So sorgen Sie nicht nur für eine spannende Abwechslung in Ihrem Lesekreis, sondern können anschließend auch die Frage beantworten: Was war besser – das Buch oder der Film?

Sie haben mittlerweile bestimmt gemerkt: Diesen Roman gilt es zu diskutieren. Hier treffen historischer Roman, Gesellschaftsroman und Familienroman aufeinander. Für einen einfachen und produktiven Einstieg in die Diskussion in Ihrem Lesekreis, haben wir bereits ein paar Fragen für Sie vorbereitet:

Mögliche Diskussionsfragen

  • Ist die Handlung schlüssig und werden die Figuren authentisch dargestellt?
  • Wie gelungen finden Sie die literarische Form des Montageromans?
  • „Geschichte als Familiengeschichte“ – was halten Sie von dem literarischen Ansatz?
  • Welche autobiografischen Gemeinsamkeiten zwischen Buch und Leben Eugen Ruges lassen sich ausmachen?
  • Was ist Fiktion, was Realität?
  • Wie werden der Zerfall der Familie und der gleichzeitige Niedergang der DDR literarisch umgesetzt?
  • Gibt es auch in Ihrem Lesekreis eigene Geschichten aus der DDR, die zur Leseerfahrung beitragen und die Sie teilen möchten?


Alltag in der DDR – politische Ansichten, persönliche Wünsche und Träume. Mit „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ hat es Eugen Ruge nicht nur geschafft, ein deutsches Geschichtsthema spannend und ergreifend aufzuschreiben, sondern sich damit auch in die Rangliste der deutschen Belletristik zu schreiben. Was macht es mit einer Familie, wenn die Familienmitglieder unterschiedliche politische Meinungen haben? Und welchen Einfluss hat das gesellschaftliche Geschehen auf den Zusammenhalt innerhalb einer Familie? „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ist ein Stück Zeitgeschichte, das ausgiebig in Ihrem Lesekreis diskutiert werden sollte. Gerade, da es ein großes Kapitel deutscher Geschichte behandelt, mit dem wohl jeder und jede eigene Erfahrungen hat. Sei es, weil man selbst in der DDR aufgewachsen ist, Familie oder Bekannte in der DDR hatte – oder bisher das Kapitel DDR allein aus dem Geschichtsunterricht kannte. Schauen Sie sich danach auch unbedingt die Literaturverfilmung mit Bruno Ganz an. Sie bietet die Möglichkeit, noch einmal eine andere Perspektive auf das Lektüreerlebnis einnehmen zu können. Ein Familienroman, gelungen aufgeschrieben von Eugen Ruge – ein Autor, von dem wir hoffentlich noch mehr hören werden.

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